Rhöndorfer Ausgabe Online
An Walter G. Paetsch
, HelmstedtStBKAH 07.16
Sehr geehrter Herr Paetsch1!
1) Ihre Ansichten bezüglich des Charakters unserer Partei teile ich durchaus.
2) Die meisten unserer Herren stehen auf dem Standpunkt, daß die Propaganda doch den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden müßte und daß sie daher nicht einheitlich gemacht werden soll. Das schließt natürlich nicht aus, daß über die überall gleichliegenden Fragen Material für die ganze Zone hergestellt wird.
3) Tageszeitungen ist ein sehr schwieriges Kapitel, wegen Mangel an Papier und weil wir bei den letzten Wahlen eine Stimmeneinbuße zu verzeichnen hatten. Überall ist die Auflage der Zeitungen beschränkt worden.
4) Organisationsfragen. Wir haben vor einigen Monaten im Zonenausschuß einen kleinen Ausschuß eingesetzt, der im Lande und in der Zone herumreist und die Organisationslage prüfen sollte. Ich hoffe, daß dieser Ausschuß bald seine Tätigkeit wird aufnehmen können.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Walter G. Paetsch (in den Nachkriegsjahren Kreisgeschäftsführer der CDU Helmstedt) hatte mit Schreiben vom 5.9.1947 und im Anschluss an ein persönliches Gespräch mit Adenauer in Recklinghausen verschiedene Fragen der CDU-Organisation und -Programmatik aufgeworfen. Seine zentralen Anliegen: der kompromisslos christliche Charakter der Partei sowie eine – anders als bisher (Kritik an Friedrich Holzapfel!) – »klare scharfe Abgrenzung und Einstellung der SPD gegenüber«.