Rhöndorfer Ausgabe Online
An Generaldirektor Dr. Wilhelm Roelen
, Duisburg-HambornStBKAH 07.16
Sehr geehrter Herr Roelen!
Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 8. d. Mts. nebst Anlagen1.Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir uns gelegentlich einmal über die ganzen Verhältnisse an der Ruhr aussprechen könnten. Die Kohlenförderung ist von solcher Bedeutung, daß sie auch die Politiker interessieren muß.
Am Schlusse Ihres Briefes vom 8.8. sagen Sie, daß Herr Severing erklärt habe, die Weimarer SPD habe die Sozialisierungsgesetze nicht aus Schwachheit einschlummern lassen, sondern aus Klugheit, weil die SPD damals gewußt habe, daß ein Volk nach einem verlorenen Krieg über die Sozialisierung nicht zu Blut kommt. Es würde mich sehr interessieren, zu hören, wann und wo Herr Severing diese Äußerung gemacht hat2. Von mehreren Seiten höre ich, daß auf dem Gebiete der Eisenindustrie sehr große Befürchtungen gehegt werden. Ich empfehle Ihnen, so laut Krach zu schlagen, wie irgend möglich. Ich empfehle Ihnen weiter, sich eventuell unter Berufung auf mich an den Direktor des Amtes für Wirtschaft in Frankfurt (Main), Herrn Dr. Semler, zu wenden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Roelen hatte übermittelt: a) Auszug aus einem Bericht des ›Manchester Guardian‹ vom 1.8.1947 über eine Reise britischer Bergleute durch das Ruhrgebiet (»… überrascht über den hohen Stand der Technik …, … entsetzt über die Lebensmittellage …«); b) ein eigenes Exposé vom 19.7.1947 ›Zur Frage der Sozialisierung, insbesondere des Bergbaus und hier voran des Kohlenbergbaus‹ (»Sozialisierung ist ein ungeeignetes Mittel für Länder, die zum Leben auf den Weltmarkt angewiesen sind.«)
Am 26.8.1947 übermittelte Roelen einen Auszug aus der ›Neuen Ruhr- Zeitung‹ vom 6.8.1947 mit Ausführungen Carl Severings »über die Gründe, die nach 1918 die SPD von der Forcierung der Sozialisierungsidee abhielten«; hierzu vgl. Josef Hofmann, Journalist, S. 221f.