Rhöndorfer Ausgabe Online
An Pfarrer Ludwig Reinold
, Niederlandenbeck bei Eslohe/SauerlandStBKAH 07.16
Sehr geehrter Herr Pastor!
Die in Ihrem Briefe vom 6.d. Mts. ausgesprochenen Ansichten teile ich durchaus1. Auch ich halte es für falsch, wenn der Geistliche sich derartig aus der Politik fernhält. Ich glaube aber nicht, daß diese Ansicht aus den evangelischen Teilen der CDU stammt. Ich finde im Gegenteil, daß unsere evangelischen Parteifreunde nicht davor zurückschrecken, Geistliche in den politischen Vordergrund zu stellen.
In Ihrem Briefe sagen Sie, daß im katholischen Klerus die Empfindung herrsche, daß aus evangelischen Volkskreisen eine Auffassung des öffentlichen Lebens in die CDU Einzug gehalten hat, die erheblich abweiche von unserer Tradition und die sogar fundamentalen Prinzipien widerspreche. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir hierüber Näheres mitteilen könnten. Ich bin von dieser Auffassung sehr überrascht. Ich habe bisher nichts wahrgenommen, was diese Befürchtungen als richtig erscheinen lassen könnte.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Reinold hatte von einer Delegiertentagung der süd-westfälischen CDU am 1.2.1947 in Finnentrop berichtet. Bei den dortigen Diskussionen über Landtagskandidaturen von Geistlichen habe er »bei einigen Herren eine stark prononcierte Aversion gegen eine aktive Beteiligung eines Klerikers an der Lösung der großen politischen Aufgaben« verspürt.
Zu Reinolds eigenen Bemühungen um eine CDU-Kandidatur für die kommenden Landtagswahlen ist weiterführender Schriftwechsel vom 22.2.1947 (Reinold teilt abschlägigen Bescheid seines Ordinariats in Paderborn mit) und 2.3.1947 erhalten (Adenauer: »Ich habe, wie ich annehme, ziemlich zuverlässig gehört, daß die Ordinariate Genehmigungen zu Kandidaturen von Geistlichen solange nicht geben wollen, als Zentrum und Christlich-Demokratische Union bestehen.); vgl. das Schreiben an Josef Kardinal Frings vom 27.4.1947.