Rhöndorfer Ausgabe Online
An Ministerpräsident Karl Arnold
, DüsseldorfStBKAH 08.63, mit ms. Briefkopf »Mitglied des Zonenbeirats. Vorsitzender der CDU-Fraktion des Landtags von Nordrhein-Westfalen«, mit ms. Vermerk »Persönlich!«
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
In Nr. 121 der »Welt« vom 14. Oktober 1947 befindet sich ein Interview, das Sie mit dem Vertreter der »Welt« gehabt haben sollen. Darin heißt es auf die Frage: Welche Maßnahmen wurden hinsichtlich der Bodenreform getroffen? als Ihre Antwort:
»Es wird in den nächsten Wochen eine gemeinsame Vorlage ausgearbeitet, die im gleichen Wortlaut in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein eingebracht werden solle. Ebenso soll ein einheitliches Entnazifizierungsgesetz den Landtagen beschleunigt vorgelegt werden.«1
Für den Fall, daß diese Nachrichten stimmen, darf ich namens meiner Fraktion ergebenst auf folgendes aufmerksam machen: In so entscheidenden Fragen haben wir den dringenden Wunsch, daß Sie vorher mit der Fraktion und der Partei Fühlung nehmen, ehe irgendwelche, Sie bindende Erklärungen gegenüber den Ministerpräsidenten anderer Lander abgegeben werden. Unser Standpunkt sowohl bezüglich der Bodenreform wie auch der Entnazifizierung liegt so fest, daß auch Vereinbarungen der Ministerpräsidenten uns nicht werden veranlassen können, davon abzugehen2.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebener
(Adenauer)
Zur Frage der Bodenreform und Siedlungspolitik vgl. das Schreiben an die Minister der CDU in der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen vom 17.11.1947; zur Entnazifizierungsproblematik (nach einer dem Interview Arnolds vorausgegangenen Verordnung der britischen Militärregierung zur Übertragung der Entnazifizierung – durch eigene Gesetzgebung - auf die Länder) die Angaben bei Irmgard Lange (Bearb.), Entnazifizierung, S. 52 und Wolfgang Krüger, Entnazifiziert!, S. 60-64.
Eine schriftliche Stellungnahme Arnolds ist in StBKAH nicht erhalten.