Rhöndorfer Ausgabe Online
An Regional Commissioner William Asbury
, DüsseldorfStBKAH 07.10
Sehr geehrter Herr Asbury!
Führende holländische Persönlichkeiten, und zwar die Herren
1) Monsignore Prof. Dr. Poels, Venray, Limburg
2) Senator A.C. de Bruyn1, Utrecht,
3) Abgeordneter P.J.S. Serrarens2, Bilthoven,
haben mich wissen lassen, daß ihnen sehr daran gelegen sei, daß ich ihnen im Verein mit den Herren
1) Oberbürgermeister Karl Arnold, Düsseldorf,
2) Journalist Peter Lütsches, Düsseldorf,
einen Besuch abstatte.
Angesichts des Umstandes, daß mir jede Möglichkeit fehlt, mich brieflich oder mündlich mit meinen holländischen politischen Freunden ausgiebig zu unterhalten, und daß mir auch die Presse Niederlands nicht zur Verfügung steht, bin ich sehr daran interessiert, der mir gewordenen Einladung Folge zu leisten.
Mir ist daran gelegen, mich in Holland ausführlich über Fragen des Wiederaufbaus, des Wohnungs- und Hausinstandsetzungsbaus, der Wiederingangsetzung von Eisenbahn-, Straßen- und Wasserverkehrswegen, ganz besonders aber auch des Volksschul- und des höheren Schulwesens zu unterrichten.
Darüber hinaus wünsche ich die Auffassungen der genannten Herren über die Möglichkeiten der Fortsetzung der geistigen und kulturellen Wechselbeziehungen zu vernehmen, die den Interessen beider Länder dienen und deren möglichst schnelle Wiederaufnahme die beste Gewähr für ein neues freundnachbarliches Verhältnis bieten würde.
Ich darf darauf hinweisen, daß Rheinland und Westfalen seit Jahrzehnten in lebhaftem, überaus lebendigem Gedankenaustausch mit Niederland gestanden haben, und mein und meiner Mitarbeiter Wunsch, einen wenn auch nur 8tägigen Besuch in Niederland durchzuführen, dürfte Ihnen durchaus verständlich und der Anbahnung normaler, friedlicher Verhältnisse nur dienlich sein.
Ich weiß, daß der noch nicht beendete Kriegszustand dem nachbarlichen Verkehr hindernd im Wege steht, darf aber darauf aufmerksam machen, daß deutschen Persönlichkeiten im letzten halben Jahre mehrfach die Möglichkeit geboten wurde, eine Reise nach England durchzuführen.
Ich darf Sie höflichst bitten, mir Ihre Hilfe bei der Durchführung eines Besuches in Niederland zu leihen, und sage Ihnen im voraus verbindlichsten Dank3
Mit vorzüglicher Hochachtung
Kontakte zu de Bruyn hatte Adenauer bereits im Sommer 1946 über dessen in Königswinter lebenden Sohn angeknüpft; hierzu eine Taschenkalender-Eintragung vom 25.7.1946 sowie nähere Angaben in einem Schreiben Adenauers an Peter Lütsches vom 6.1.1947 (StBKAH 07.15).
Für weitere Angaben zu Adenauers Bemühungen um Kontaktaufnahme mit diesem Personenkreis, vgl. die Schreiben an Wim J. Schmitz vom 12.11.1946 und vom 24.12.1946 .
Ein Bescheid Asburys ist in StBKAH nicht erhalten, jedoch geht aus dem in Anm. 1 erwähnten Schreiben an Lütsches hervor, daß im Dezember 1946 »die holländische Militärmission in Düsseldorf die Vollmacht erhalten habe, Herrn Arnold und mir die Einreisevisen nach Holland zu geben«; eine durch de Bruyn übermittelte offizielle Genehmigung wurde im Februar 1947 erteilt (hierzu Pressemitteilungen in ›Die Welt‹ vom 20.2.1947, S. 1 und ›Der Spiegel‹ Nr. 8 [1947], S. 13). – Aus Termingründen wurde die Reise mehrfach verschoben; zum ersten Nachkriegsaufenthalt in den Niederlanden kam es erst im Mai 1948 (Teilnahme am Europa-Kongress in Den Haag).