Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

19. November 1946 (Rhöndorf)

An Regional Commissioner William Asbury

, Düsseldorf

StBKAH 07.10, ohne Anrede und Schlussformel


Nach einer Mitteilung des Reuter-Büros ist auf der internationalen Ernährungskonferenz in Kopenhagen1 erklärt worden, daß in diesem Jahre ein Weltüberschuß an Getreide von 6 1/2 Millionen Tonnen bestehe. Diese Mitteilung habe ich in meiner Rede in Blankenese am 20.9.1946 wiedergegeben2. Diese Meldung ist bisher nicht dementiert worden. Von Weizen habe ich nicht gesprochen.

Meine weiteren Ausführungen bezogen sich auf die Zukunft. Ich habe gesagt, daß das deutsche Volk nicht dauernd auf die Unterstützung durch die Alliierten angewiesen sein könne und wolle. Man solle ihm Gelegenheit geben, durch den Ertrag seiner Arbeit das zu bezahlen, was es an Einfuhr brauche.

(Adenauer)


  1. ^

    Konferenz der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft vom 2.-13.9.1946 in Kopenhagen.

  2. ^

    Asbury hatte am 9.11.1946 Adenauers Hamburger Rede (gehalten am 20.9.1946 unter anderem zu Problemen der Welternährungslage, die zu einer Kontroverse in der britischen Militärregierung Anlass gab) dahingehend korrigiert, daß – der Kopenhagener Erklärung zufolge – »nächstes Jahr mit der Möglichkeit eines Weizendefizits von 8 bis 10 Millionen t gerechnet werden müsse« (zit. nach der Veröffentlichung des Asbury-Schreibens in: ›Die Welt‹ vom 16.11.1946, S. 3). Eine anders als das hier abgedruckte Schreiben lautende, umfangreichere und pointiertere Antwort Adenauers ist ausführlich wiedergegeben in: ›Die Welt‹ vom 19.11.1946, S. 3: »Ich betrachte es als untragbar, daß der britische Steuerzahler für uns aufkommen muß. Wir wünschen auch diese Lastenübernahme nicht, müssen aber betonen, daß man uns die Kohlen lassen soll, um damit durch Ausfuhr von Fertigfabrikaten die Lebensmitteleinfuhren bezahlen zu können.«