Rhöndorfer Ausgabe Online
An Regional Commissioner William Asbury
, DüsseldorfStBKAH 07.10, ohne Anrede und Schlussformel
Ich werde gerne dafür Sorge tragen, daß bei Versammlungen meiner Partei im Industriegebiet die Bergarbeiter auf die Bedeutung ihrer Arbeit für Deutschland und Europa hingewiesen werden1. Ich werde dafür Sorge tragen, daß auch die in der Anlage des Schreibens angeführten Argumente zur öffentlichen Kenntnis kommen. Ich erlaube mir aber, auf folgendes aufmerksam zu machen:
Die Bergarbeiter wünschen eine soziale Hebung ihres Standes. Sie wünschen nicht, daß im Wege des Zwanges eine Erhöhung der Zahl der Bergarbeiter herbeigeführt wird, weil sie darin eine Herabsetzung ihres Berufes erblicken. Zur Zeit hat die Kontrollkommission vom Zonenbeirat ein Gutachten angefordert, ob es sich empfehle, für gewisse Jahrgänge Arbeitspflichtjahre in den Bergwerken einzuführen2. Es scheinen also wieder Zwangsmaßnahmen wenigstens erwogen zu werden. Die Bergarbeiter wünschen weiter, daß sie nicht gezwungen werden, an der Zechenspeisung teilzunehmen, und daß auch den mit ihnen zusammenlebenden Familienangehörigen erhöhte Lebensmittelrationen gewährt werden.
Nach mir zugegangenen Nachrichten ist zu befürchten, daß die Schließung und Demontierung zahlreicher Werke in der britischen Zone auf die Stimmung der Bergarbeiter sehr ungünstig einwirkt.
(Adenauer)
Asbury hatte am 11.11.1946 den Wunsch geäußert, daß deutsche Parteienvertreter verstärkt auf die besondere Bedeutung der Kohleförderung hinweisen; seinem Schreiben beigefügt: die Niederschrift einer Rede des Leiters der ›Economic Sub-Commission‹ in der britischen Militärregierung, Sir Cecil Weir, am 21.10.1946 in Essen vor deutschen Unternehmern und Gewerkschaftsvertretern (»Coal is the key to economic and industrial recovery in Germany«). Zu Weir vgl. dessen Ende November vor dem Zonenbeirat gehaltene Rede ähnlichen Inhalts; Druck: Akten zur Vorgeschichte Bd. 1, S. 1053-1061.
Vgl. Akten zur Vorgeschichte Bd. 1, S. 1081.