Rhöndorfer Ausgabe Online
An Dr. Carl Spiecker
, EssenStBKAH 08.55, mit ms. Vermerk »Persönlich!«
Sehr geehrter Herr Spiecker!
Mir wird mitgeteilt, daß Sie und Herr Brockmann auf den 30. Oktober d. Js. in Frankfurt (Main) eingeladen haben zu einer Besprechung über die Gründung der Zentrumspartei in Frankfurt (Main)1. Ich bin über diese Mitteilung besonders erstaunt, weil Herr Ministerpräsident Arnold mir vor Ihrer Wahl zum Exekutivrat erklärt hat, daß Sie ihm ausdrücklich zugesagt hätten, die Gründungen in Süddeutschland zu unterlassen2. Ich möchte deshalb zunächst nur annehmen, daß die Mitteilung über Frankfurt (Main) nicht zutreffend ist. Aber sie ist immerhin mir von einer Seite gemacht worden, daß ich mich doch veranlaßt sehe, Ihnen deswegen zu schreiben.
Die Entwicklung der Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen und die gesamte politische Lage ist so, daß ich glaube, wir werden uns bald wieder einmal aussprechen müssen3.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Adenauer stützt sich hier, ausweislich eines Schreibens vom 28.10.1947 (StBKAH 07.14), auf mündliche Informationen von Klaus Franz, Frankfurt/Main, anlässlich eines Treffens beim Parteitag der rheinland-pfälzischen CDU in Kaiserslautern am 17.10.1947 (hierzu vgl. Konrad Adenauer, Erinnerungen 1945-1953, S.122). Ebenfalls von Franz wurde Adenauer über den Verlauf der im nachfolgenden erwähnten Zentrums-Besprechung unterrichtet: »... nahmen neben Herrn Dr. Stricker (nicht Spiecker), und Herrn [Richard] Muckermann einige Frankfurter und Herren aus Nordbaden teil. ... Gründung von Kreisverbänden, Einreichung bei der Militärregierung pp beschlossen« (Schreiben vom 31.10.1947); vgl. Hans Georg Wieck, Christliche und freie Demokraten, S. 59.
Vgl. das Schreiben an den Bezirksverband katholischer Arbeitervereine vom 22.11.1947.
Mit seiner Antwort vom 25.10.1947 (»Viertens befremdet mich Ihr Schreiben«) stellte Spiecker jegliche Verbindung zu den erwähnten Gründerkreisen in Abrede. Adenauer war, wie aus Anm. 1 hervorgeht, einer Namensverwechslung mit dem ebenfalls in Frankfurt/Main tätigen Fritz Stricker (Mitglied des Wirtschaftsrats) erlegen.