Rhöndorfer Ausgabe Online
An Landrat August Dresbach
, GummersbachStBKAH 07.13
Lieber Herr Dresbach!
Ihren Brief vom 22.2.47 habe ich erhalten1. Die Verwirrtheit und Unruhe unserer Zeit zeigt sich natürlich auch bei den Anhängern der Selbstverwaltung. Im übrigen wird ja eine Selbstverwaltung in dem von Ihnen verworfenen Sinne von den Engländern gefordert; aber ich glaube wie Sie, daß auch schon in Bälde die finanziellen Fragen hier eine entscheidende Rolle spielen werden.
Ich stehe prinzipiell auf dem Boden des Föderalismus. Ich bin z. B. überzeugt, daß Hitler nicht zur Macht gelangt wäre in einem Bundesstaat. Letzten Endes werden ja aber die Alliierten unsere Staatsform bestimmen.
In unserer Partei herrscht ja keine starre Parteidoktrin, und deswegen ist es sehr gut, wenn Sie Ihren entgegengesetzten Standpunkt mit der Ihnen eigentümlichen Kraft vertreten.
Darf ich Sie bitten, falls Sie irgendwie Zeit haben, doch in unserer Parteipresse, insbesondere auch in der »Kölnischen Rundschau«, Artikel über akute Themata zu schreiben?
Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Hierin: Klagen Dresbachs über den Mangel an »praktische[n] und theoretische[n] Kenntnisse[n] vom Wesen des Staates und der Staatsverwaltung. bei Repräsentanten westfälischer Gemeinde- und Kreisverwaltungen (»kommunale Romantiker«, Anhänger totaler Selbstverwaltung).