Rhöndorfer Ausgabe Online
An Hanns Peter Sturm
, Wiesenbach/SchwabenStBKAH 07.03
Sehr geehrter Herr Sturm!
Es hat mich sehr gefreut, Ihren Brief vom 18.2. d. Js. zu erhalten1. Es drängt mich, Ihnen nochmals jetzt zu danken für Ihre große Freundlichkeit, meiner Tochter und damit mir damals zu helfen.
Das Buch, das Sie zu schreiben beabsichtigen, interessiert mich sehr. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich gelegentlich benachrichtigen würden, wie weit Sie gekommen sind. Ich glaube, daß man sehr kritisch dabei zu Werke gehen muß, da über die Widerstandsbewegung, insbesondere über den 20. Juli, außerordentlich viel fantasiert wird.
Die Dinge in Bayern bekümmern mich ebenfalls sehr. Ich habe aber doch die Überzeugung, daß sie nach und nach sich beilegen und daß eine Verständigung zwischen den streitenden Parteien eintreten wird. Ich glaube, man muß die ganzen Vorgänge unter dem Gesichtspunkt der bayerischen Mentalität betrachten. Jedenfalls habe ich die feste Überzeugung gewonnen, daß niemand dort in der CSU irgendwie separatistische Neigungen hat.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
Das Anschreiben Sturms ist in StBKAH nicht erhalten; spätere Korrespondenz zwischen Sturm und Adenauer (Juni/August 1949; StBKAH 07.09/07.28) erlaubt keine Rückschlüsse auf den Inhalt dieses Briefes, auch nicht auf Anlass und Zeitpunkt der von Adenauer bestätigten Begegnung. – Zur Vita Sturms konnte lediglich ein 1936 in München gegen ihn geführtes Strafverfahren ermittelt werden; vgl. Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei (Sopade) 1934-1940, Jg. 3 (1936), Nachdruck Frankfurt/Main 21980, S. 988.