Rhöndorfer Ausgabe Online
An Bundeskanzler Dr. Leopold Figl
, WienStBKAH 07.05, mit ms. Briefkopf »Mitglied des Zonenbeirats«
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler1!
Herr Clemens Auer, ein Kölner Mitbürger, hat in Wien einige Schwierigkeiten. Da mir selbst von sehr weit linksstehender Seite versichert wird2, daß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sich als haltlos erwiesen haben, habe ich keine Bedenken, Sie zu bitten, doch darauf hinzuwirken, daß die ganze Angelegenheit nunmehr schnell zu Ende gebracht wird. Über Einzelheiten bin ich nicht im Bilde, so daß ich mich der sachlichen Stellungnahme im übrigen enthalten muß.
Für Ihre Grüße, die mir Herr Riedl freundlicherweise übermittelte, danke ich Ihnen sehr und erwidere sie auf das herzlichste.
Mit hochachtungsvollen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Weitere Nachkriegs-Korrespondenz mit ihm ist in StBKAH nicht erhalten. Zum Zustandekommen des hier nachgewiesenen Kontakts ist eine interne Information von Josef Löns vom 7.4.1948 erhalten: »Heute erschien Herr [Ludwig] Riedl, der Inhaber der Alpenländischen Treuhand- und Revisionsgesellschaft, bei mir. Herr Riedl ... wies sich mit einem Empfehlungsschreiben des Bundeskanzlers Dr. Leopold Figl aus. ... hatte den Auftrag, ... zu grüßen. Wenn Dr. Figl einige Zeilen von Ihnen in der Angelegenheit Auer erhalten würde, ... so würde das... Veranlassung sein, auf die schnelle Erledigung der Angelegenheit ... hinzuwirken.... Im übrigen könnte im weiteren Verlauf des Briefes der Gedanke zum Ausdruck gebracht werden, daß wir mit besonderem Interesse auf die österreichische Volkspartei sehen, da sie zu den wenigen christlichen Kontinentalparteien gehört, welche Regierungspartei sind«.
Der Information Löns zufolge, hatte sich Viktor Agartz um Unterstützung Auers durch Adenauer bemüht.