Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

21. März 1947 (Rhöndorf)

An die Minister der CDU in der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen

StBKAH 08.20, Verteiler: »An die Herren stellvertr. Ministerpräsident Arnold; Kulturminister Professor Konen; Justizminister Dr. Sträter; Sozialminister Gockeln; Lübke, Minister f. Ernährung und Landwirtschaft, alle Düsseldorf«


Sehr geehrte Herren!

Wie ich höre, sind die der CDU angehörigen Mitglieder des Kabinetts bei der Abstimmung über eine sehr wichtige Angelegenheit, die Wiederbeschäftigung der Entnazisierten, in der Kabinettsitzung am Montag, den 17. März, auseinandergefallen1. Selbstverständlich liegt es mir nicht daran, irgendeinem ernannten Minister irgendwie eine Vorschrift über die von ihm einzunehmende Haltung in politischen Fragen zu geben. Ich bitte aber doch, zum Ausdruck bringen zu dürfen, wie schmerzlich ich davon berührt bin, daß ein solches Auseinanderfallen möglich war. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich etwas Ähnliches bei Kabinettsmitgliedern der sozialdemokratischen Partei ereignet hätte.

Ich bitte doch dringend, durch Beratung im Kreise unserer Partei angehöriger Kabinettsmitglieder dafür zu sorgen, daß wenigstens in wichtigeren Angelegenheiten unsere Kabinettsmitglieder geschlossen stimmen2.

Mit ergebenstem Gruß
(Adenauer)


  1. ^

    Dieser Kabinettssitzung lag das Gutachten des Justizministers Sträter ›Wiederbeschäftigung entlassener und später gebilligter Beamter‹ vom 13.2.1947 zugrunde; hierzu ein Schreiben Sträters an Adenauer vom 11.3.1947; vgl. die ›Allgemeine Anweisung der Militärregierung Land Nordrhein-Westfalen betr. Weiterbeschäftigung von entlassenen Personen bis zum Abschluß der Berufung‹ vom 11.2.1947, Druck: Irmgard Lange (Bearb.), Entnazifizierung, S. 477.

  2. ^

    Zu späteren Konflikten ähnlicher Art zwischen CDU-Landtagsfraktion und den Ministern der CDU in der nordrhein-westfälischen Landesregierung mehrere Belege in der landespolitischen Korrespondenz 1947-1949.