Rhöndorfer Ausgabe Online
Bescheinigung für Dr. Hanna Adenauer
, Gielsdorf bei BonnStBKAH, ohne Begleitschreiben, mit ms. Briefkopf »Mitglied des Zonenbeirats. Vorsitzender der CDU-Fraktion des Landtags von Nordrhein-Westfalens«
Frau Dr. Hanna Adenauer1, Gielsdorf b/Bonn, ist meine Nichte. Ich kenne daher ihre Person, ihren Charakter und ihre Tätigkeit sehr genau. Sie ist, wenn ich nicht irre, im Jahre 1937 auf Drängen in die NSDAP eingetreten, hat niemals irgendeine Tätigkeit in der Partei ausgeübt. Sie ist eingetreten, weil sie sonst höchstwahrscheinlich ihre Stellung verloren hätte. Da sie meine Nichte ist, wurde sie von der NSDAP besonders beobachtet und kontrolliert. Sie hat, wie ich bestimmt bekunden kann, aus ihrer Abneigung gegenüber der NSDAP niemals einen Hehl gemacht und hat deswegen starke Zurücksetzungen in ihrer Tätigkeit erfahren müssen. Ich kann diese Zurücksetzungen jetzt nicht mehr im einzelnen wiedergeben. Sie hat mir aber im Laufe der Zeit diese mit genauen Angaben geschildert. Sie hat, wie ich von anderer Seite weiß, bis zum Schluß des Krieges in aufopferndster Weise alles getan, um Kunstdenkmäler der Stadt Köln zu retten, und zwar zu einer Zeit, als andere schon lange die Stadt verlassen hatten und geflohen waren.
Ich weiß, daß Fräulein Dr. Adenauer als meine Ncihte unter der nationalsozialistischen Herrschaft sehr stark hat leiden müssen. Ich würde es sehr bedauern, wenn sie jetzt nicht in vollem Maße rehabilitiert werden würde.
(Adenauer)
Ausführliche Angaben zu Ihrem Anteil beim Wiederaufbau Kölns 1945 bei: Robert Grosche, Kölner Tagebuch; vgl. auch Werner Bornheim gen. Schilling, Der rheinische Phönix T. 2, S. 104 sowie Willy Weyres, Hanna Adenauer 65 Jahre, in: Rheinische Heimatpflege Jg. 6 (1969), S. 99.