Rhöndorfer Ausgabe Online
An den Verleger der »Rheinischen Post«, Dr. Anton Betz
, DüsseldorfStBKAH 07.17
Sehr geehrter Herr Betz!
In der Sache dpa-Dena empfehle ich Ihnen, daß Herr Böx, Hamburg, den Geschäftsführerposten erhält1. Den Posten des Chefredakteurs wird wohl kein Mann bekommen, der zu uns gehört. Er wird wohl Herrn Sänger2 übertragen werden. Umso nachdrücklicher müssen wir, die wir genau so groß sind wie die SPD, verlangen, daß der zweitwichtigste Posten einem Herrn von uns übertragen wird. Falls Sie einen Besseren wissen als Herrn Böx, so geben Sie mir bitte davon Kenntnis.
Auch ich habe das Bedürfnis, mich möglichst bald mit Ihnen auszusprechen. Können Sie nicht während der Landtags-Sitzung nächste Woche einmal in die Henkelwerke kommen, um dort mit mir zu sprechen, am besten während einer Plenar-Sitzung? Ich sehe sonst in den nächsten Tagen keine Möglichkeit.
Für den Kurzwellendienst weiß ich Ihnen keine Namen zu nennen3. Soll wirklich das alles jetzt für die drei Westzonen zusammen gemacht werden, noch ehe die Trizone Tatsache ist?
Ihrer Anregung entsprechend sollen auf der nächsten Sitzung des Zonenausschusses zwei kurze Referate gehalten werden von einem Chefredakteur und einem Lizenzträger über die Lage der CDU-Presse. Ich habe mich dieserhalb mit dem Vorsitzenden des Vereins der Union-Presse, Herrn Staatsminister a. D. Dr. Boelitz, in Verbindung gesetzt.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
P. S.: Ich habe am 22.4.48 die Angelegenheit mit General Bishop in dem Sinne besprochen, daß unser Einfluß bei DPD außerordentlich gering sei, daß sogar Herr Böx, den Herr Gen. Bishop kannte, mir erklärt habe, er könne unter diesen Umständen nicht weiter bei DPD tätig sein. Herr General Bishop sagte mir, daß seines Wissens DPD und damit auch ein Zusammenschluß DPD–Dena ausschließlich eine Angelegenheit deutscher Stellen sei. Ich bitte Sie, sich doch mit ganzer Kraft dafür einzusetzen, daß mehr Parität bei DPD und Dena in Zukunft herrscht.
Die Kandidatur von Böx war zuvor auch von Betz selbst – in einem an Adenauer weitergeleiteten Schreiben an Josef Löns vom 17.4.1948 – erörtert worden (starke Widerstände; Problematik direkter parteilicher Einflussnahme, zumal »m. W. Herr Sänger, als er die Chefredaktion des DPD übernahm, seine Mitgliedschaft zur SPD aufgegeben hat«). Böx seinerseits hatte am 1.4.1948 den Entschluss mitgeteilt, »dem DPD nur bis zur Fusionierung anzugehören, um dann eine neue Tätigkeit als außenpolitischer Chefredakteur aufzunehmen.«
Vgl. Sängers Lebenserinnerungen ›Verborgene Fäden‹, die auch für die von Adenauer hier erörterte Fragestellung aufschlussreich sind (S. 138f.).
Ein »Kurzwellendienst …, der deutsche Nachrichten ins Ausland verkauft und durchgibt« (Betz am 17.4.1948), wurde – als ›Deutsche Welle‹ 15 erst im Jahre 1953 geschaffen; vgl. Hans Bausch, Rundfunkpolitik T. 1, S. 338-352.