Rhöndorfer Ausgabe Online
An Helene Weber
, EssenStBKAH 08.53
Sehr geehrtes Fräulein Weber!
Daß Sie nicht in den Landtag gewählt worden sind, beklage ich als einen wirklich schmerzlichen Verlust für die Fraktion1. Auch persönlich bedauere ich ganz außerordentlich, daß Sie nicht Mitglied des neuen Landtags sind. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß gerade in der Essener Partei recht schwere Fehler begangen worden sind und daß der schlechte Ausfall der Wahl in Essen hierauf zurückzuführen ist2.
Wahrscheinlich werden im Herbst wiederum Wahlen stattfinden, wenn über die neue Verfassung abgestimmt werden soll. Ich hoffe sehr, Sie dann als Abgeordnete zu sehen.
Mit herzlichen Grüßen, auch von meiner Frau, wie immer
Ihr
(Adenauer)
Den betreffenden Wahlkreis Essen-West hatte für die SPD Wilhelm Nieswandt gewonnen (33,3 %, CDU 27,3 %). Helene Weber führte dies in ihrer Antwort vom 27.4.1947 auf den Zuwachs des Zentrums (14,6 %) und die besondere Stärke der KPD zurück (20,8 %; »teils die Folge der schlechten Zeiten, teils liegt sie im Zuge des wachsenden Radikalismus«).
Ein ähnliches Schreiben richtete Adenauer ebenfalls am 22.4.1947 an Anne Franken, Düsseldorf (die ihren dortigen Wahlkreis – Düsseldorf-Mettmann-Ost – an den SPD-Kandidaten Hans Kohler verloren hatte).
Vgl. das Schreiben an den Vorstand der CDU-Kreispartei Essen vom 15.4.1947.