Rhöndorfer Ausgabe Online
An den Erzbischof von Paderborn, Dr. Lorenz Jaeger
StBKAH 07.23
Sehr geehrter, hochwürdigster Herr Erzbischof!
Auf Ihren Brief vom 17. d. Mts.1, für den ich vielmals danke, gestatte ich mir, folgendes zu erwidern:
Bei den Verhandlungen über die Besetzung des Postens des Kultusministers oder bei sonstigen Verhandlungen habe ich niemals gesagt, für Herrn Raskop, Dortmund, habe sich niemals eine kirchliche Stelle bei mir eingesetzt oder wenigstens sich günstig über ihn ausgesprochen. Von dieser Behauptung ist kein Wort richtig. Ich habe über Herrn Raskop gesagt, er habe sich zweifellos um die Volksbildung große Verdienste erworben, aber er scheine nicht auf dem Gebiete der Schulen die Erfahrung zu haben, die ein Kultusminister haben müsse. Nach seiner ganzen Veranlagung scheint es mir, als ob er eher für eine Professur in Betracht komme.
Wenn junge aktive Katholiken in Bochum sich von der aktiven Mitarbeit durch die Parteileitung der CDU ausgeschaltet sehen sollten, so würde ich das außerordentlich bedauern. Es ist ständig mein Bemühen, die jungen Leute zur politischen Mitarbeit heranzuziehen. Es kann wohl sein, daß nicht an allen leitenden Stellen unserer Partei ein solches Bestreben herrscht. Ich würde es dankbar begrüßen, wenn ich auf Widerstände gegenüber den jungen Katholiken, die sich betätigen wollen, hingewiesen würde unter möglichst genauer Angabe der Umstände des Falles. Ich werde dann mich dafür einsetzen, daß solche Mißstände abgestellt werden. Daß ich den Westfalen die Rheinländer vorziehe, ist, verzeihen Sie den Ausdruck, etwas albern. Ich wüßte nicht, warum ich überhaupt einen Unterschied machen sollte. Aber wir haben in unserer Landtagsfraktion gewisse Schwierigkeiten. Wenn es sich um die Besetzung von Ausschüssen und dergleichen handelt, müssen berücksichtigt werden die beiden christlichen Bekenntnisse. Dann wird gewünscht, daß die Stammesherkunft, ob Rheinländer oder Westfale, berücksichtigt werden soll, und schließlich machen die Frauen auch noch ihre Rechte geltend. Daß es dann oft sehr schwer fällt, den sachlichen Gesichtspunkt, d. h. die beste Eignung zur Geltung zu bringen, ist wohl klar.
Ich möchte, so bald es eben möglich ist, Gelegenheit nehmen, mich mit Ihnen, sehr geehrter Herr Erzbischof, über diese Fragen und einige andere von entscheidender Bedeutung, darunter auch das Verhältnis zwischen CDU und Zentrumspartei, auszusprechen.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 1948 und bin in ausgezeichneter Hochachtung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Hierin: Aussagen zu Heinrich Raskop und dessen Kandidatur für den Posten des nordrhein-westfälischen Kultusministers. In Kreisen »junge[r] aktive[r] Katholiken« in Bochum und Dortmund werde die Nichtberücksichtigung Raskops als Symptom dafür gewertet, »daß Sie Westfalen nur als ein zwar notwendiges, aber lästiges Anhängsel … innerhalb der CDU [betrachteten] und daß bei Ihnen nur Persönlichkeiten aus dem Rheinland genehm seien.«