Rhöndorfer Ausgabe Online
An Oberbürgermeister Dr. Hermann Pünder
, Köln-MarienburgStBKAH 07.05
Lieber Herr Pünder!
Fräulein G. Goldkuhle Köln-Bayenthal, Goltsteinstr. 215, hat mich gebeten, sie Ihnen zu empfehlen. Ich komme diesem Wunsch sehr gerne und aus vollster Überzeugung nach. Fräulein Goldkuhle war, als ich im Sommer/Herbst 1945 Oberbürgermeister war, in meinem Vorzimmertätig. Ich habe sie in der damaligen sehr schwierigen Lage gut kennengelernt. Sie ist eine ausgezeichnete Kraft. Sie beherrschte die englische Sprache und, wie sie mir schreibt, beherrscht sie jetzt auch die französische Sprache. Sie war außerordentlich zuverlässig, fleißig und sehr verschwiegen.
Es wird Herr Rektor Kroll, bei dem sie jetzt lange tätig war, weitere Auskunft über sie geben können. Ich kann Ihnen Fräulein Goldkuhle für schwierige Aufgaben nur aus ganzer Überzeugung empfehlen. Vielleicht lassen Sie sich Fräulein Goldkuhle während der Ostertage, die Sie ja sicher in Köln zubringen werden, einmal kommen.
Ihrer Frau, Ihnen und Ihren Kindern wünsche ich ein gesegnetes Osterfest. Ich hoffe, daß Sie schon ein ordentliches Stück in Ihrer Arbeit weitergekommen sind
Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
P.S.:. Fräulein Goldkuhle hat, als ich damals von den Engländern aus meinem Amte entfernt worden bin, sich als ein selten charaktervoller und treuer Mensch erwiesen.
Pünder war am 2.3.1948 zum Oberdirektor des Frankfurter Verwaltungsrats gewählt worden; vgl. seine eigenen Erinnerungen (Von Preußen, S. 327-329) an ein für seine Kandidatur vorentscheidendes Gespräch mit Adenauer am 29.2.1948 (ebd., S. 321f.) sowie die Darstellung seines Sohnes Tilman Pünder, Das bizonale Interregnum, S. 147-152. – Auf die Antwort Pünders (17.4.1948) auf dieses Schreiben Adenauers verweist Rudolf Morsey, Konrad Adenauer und die Gründung, S. 103.