Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

28. Dezember 1947 (Rhöndorf)

An Vorstandsmitglieder der norddeutschen CDU-Landesverbände

StBKAH 08.56, Verteiler: »An folgende Herren: Carl Schröter, Kiel; Minister a.D. Gereke, Hannover-Kleefeld; Senator Ketels, Hamburg-Volksdorf; Ernst Müller, Bremen«


Sehr geehrte Herren!

Am 21. d. Mts. telegrafierte ich Ihnen wie folgt: <…>1

Diesem Telegramm lag zu Grunde eine Absprache zwischen Herrn Dr. Josef Müller, München, und mir. Wir waren beide der Ansicht, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen es nicht richtig sei, wenn eine größere Anzahl von Mitgliedern der CDU/CSU der drei Westzonen zu der Besprechung in Berlin hinreiste. Wir gingen davon aus, daß dadurch der ganzen Angelegenheit ein demonstrativer Charakter gegeben würde, der im gegenwärtigen Augenblick nicht wünschenswert sei2.

Die Einladung für eine Vorstandssitzung der Zone am 6. Januar in Köln werden Sie in der Zwischenzeit erhalten haben3. Bis dahin ist hoffentlich die Angelegenheit so geklärt, daß man zu Beschlüssen kommen kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für 1948 und bin
mit ergebenen Grüßen
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Vgl. das Schreiben an die Vorstandsmitglieder der norddeutschen CDU-Landesverbände vom 21.12.1947.

  2. ^

    Diese Haltung hatte Adenauer nach dem 21.12.1947 revidiert und sich dennoch zur Teilnahme an der Berliner Sitzung entschlossen; am 25.12.1947 sagte er bei Ernst Müller(-Hermann) telegraphisch ein für den 27.12.1947 vorgesehenes Gespräch über die Regierungsbildung in Bremen ab (»Muß Samstag-Sonntag nach Berlin«; StBKAH 07.16), und noch am 27.12.1947 richtete er ein – dann gestrichenes, laut Portobuch nicht abgeschicktes – Schreiben an Friedrich Spennrath: »Ich bin für 24 Stunden in Berlin und weiß nicht, ob ich Sie treffen werde. Wenn ich Sie nicht sehen sollte, so seien Sie überzeugt, daß es mir aus Mangel an Zeit unmöglich war« (StBKAH 07.03). Dass es zur Reise dann aus flugtechnischen Gründen nicht kommen konnte, geht aus Adenauers eigener detaillierter Darstellung in den Schreiben an Josef Müller vom 21.1.1948 und an Josef H. Mauerer vom 23.1.1948 hervor; ergänzend ist der briefliche Hinweis von Walter Braunfels auf eine Rundfunkmeldung vom 28.12.1947 erhalten, »daß Sie wegen schwerer Erkrankung Ihrer Gattin nicht nach Berlin kommen könnten« (Schreiben vom 29.12.1947; StBKAH 07.04).

  3. ^

    Vgl. Anm. 3 im Schreiben an Jakob Kaiser und Ernst Lemmer vom 21.12.1947.