Rhöndorfer Ausgabe Online
An den stellvertretenden Ministerpräsidenten, Oberbürgermeister Karl Arnold
, DüsseldorfStBKAH 08.20, mit ms. Vermerk »Persönlich!«
Sehr geehrter Herr Arnold!
Ich nehme an, daß Herr Dr. Brand, Neuss, Sie über den Inhalt seines Gesprächs mit Herrn Amelunxen und seines Briefwechsels mit ihm unterrichtet hat1. Ich möchte auch Ihnen gegenüber feststellen, daß die Angabe des Herrn Amelunxen, die CDU habe sich mit seinem Vorschlag bezüglich der Stellung des Herrn Brand einverstanden erklärt, unrichtig ist. Sie widerspricht direkt den Tatsachen. Wie ich Ihnen bereits mündlich gesagt habe, hat Herr Amelunxen mir diesen Vorschlag gemacht. Ich habe ihm darauf erklärt, daß ich erst mit den anderen Herren darüber sprechen müsse. Ich bitte Sie, daran festzuhalten, daß wir uns mit dem Vorschlag des Herrn Amelunxen keinesfalls einverstanden erklären können. Die Kommunalabteilung darf nicht in den Händen des Mannes bleiben, der für sie völlig ungeeignet ist, nicht die geringste Vorbildung dazu hat. Nach allem, was ich über die Personalpolitik in verschiedenen Ministerien, insbesondere dem Innenministerium und dem Arbeitsministerium inzwischen gehört habe, ist es geradezu ein Skandal, in welcher Weise man Leute, die nicht die geringste fachliche Vorbildung haben, als Fachbeamte zu unerhört hohen Bezügen eingestellt hat. Wollen Sie den Antrag stellen, daß dem Kabinett eine Übersicht über alle Beamten und Angestellten vorgelegt wird, mit Werdegang, Ausbildung, Beförderungen und Gehaltsbezügen, oder soll das die Landtagsfraktion tun? Ich glaube, es wird wirklich eine Generaldurchsicht und Generalreinigung stattfinden müssen.
Zum Neuen Jahre wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen alles Gute.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Im nachfolgenden stützt sich Adenauer auf ein Schreiben von Heinrich Brand vom 22.12.1946; die hierin erwähnten Verhandlungen mit Amelunxen hatten zu dem Vorschlag geführt, »den Aufgabenkreis des Ministerialdirektors des M.d.I. in zwei selbständige Geschäftsbereiche aufzuteilen [; soll die] Vertretung des Herrn Minister bei dessen Abwesenheit ohne Behinderung mir als dem dienstältesten Ministerialdirektor zufallen«; vgl. die Schreiben an Heinrich Brand vom 5.12.1946 und 14.5.1947.