Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

29. August 1947 (Rhöndorf)

An den Präsidenten des nordrhein-westfälischen Landtags

, Düsseldorf

StBKAH 08.50


Sehr geehrter Herr Präsident1!

Der Vorsitzende des Hauptausschusses teilt mit Brief vom 23.8.47 den Vorlesungsplan des Verwaltungslehrgangs Nordrhein-Westfalen mit und stellt anheim, Bedenken Ihnen bis zum 3. September 1947 mitzuteilen2. Ich habe erhebliche Bedenken gegen den Aufbau des Lehrgangs. Es lesen 10 bekannte Mitglieder der SPD, 2 der KPD, 3 Engländer, die aber wahrscheinlich doch Labour-Leute sind. Über wirtschaftliche Fragen sprechen nur 2 Sozialdemokraten: Kuske und Nölting und ferner der Senator Dr. Harms[s]en, der keinesfalls irgendwie der CDU nahesteht. Ich bin der Auffassung, daß ein anderer Aufbau des Programms, bei dem unsere politischen Anschauungen stärker zur Geltung kommen, unbedingt nötig ist.

Auch vermisse ich wesentliche Fragen unserer Zeit, so z. B. eine Vorlesung über Föderalismus.

Meine Ausführungen sollen keineswegs erschöpfend sein; da Sie anscheinend federführend sind in der Angelegenheit, bitte ich, doch Schritte zu tun, damit das ganze Programm nachgeprüft wird3.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
(Adenauer)


  1. ^

    Seit dem 19.5.1947 nordrhein-westfälischer Landtagspräsident: Josef Gockeln.

  2. ^

    Anlass für das erwähnte Schreiben (»i.V. gez. Dr. Pünder«): ein von der Landesregierung geplanter ›Verwaltungslehrgang Nordrhein-Westfalen‹ (14.-27.9.1947 in Bonn), der – im Zuge »wissenschaftliche[r] Fortbildung im demokratischen Sinne« – ein Vorlesungsangebot »aus den Gebieten des Völker-, Staats- und Verwaltungsrechtes sowie der Wirtschafts- und Sozialpolitik« umfassen solle.

  3. ^

    Hierzu ist auf dem Schreiben (unter dem gestrichenen Wiedervorlagetermin 23.9.1947) die hs. Notiz Hohmann erhalten: »Der Plan ist geändert«.