Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

29. Dezember 1946 (Rhöndorf)

An Generaldirektor Dr. Wilhelm Roelen

, Duisburg-Hamborn

StBKAH 07.16


Sehr geehrter Herr Roelen1!

Ihren Brief vom 13.12.46 und die Anlagen2 habe ich erhalten und danke Ihnen vielmals dafür. Verstehe ich die statistische Übersicht über fiskalische und kommunale Steinkohlenzechen richtig dahin, daß bei einer normalen Förderung rd. 34,34% auf fiskalischen kommunalen Steinkohlenzechen gefördert werden, daß ferner 13,60% der Förderung aus ausländischen bezw. vom Ausland kontrollierten Betrieben kommen? Ich würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie mir noch einige Ausführungen zukommen ließen über das von Ihnen sogenannte Direktions-Prinzip, das früher, wie Sie schreiben, gegolten hat3.

Ich habe Herrn Dr. Pferdmenges namens der CDU gebeten, zunächst die ganze Frage der Sozialisierung zusammen mit einigen Herren von den Arbeitnehmern vorzubereiten. Ich werde ihm die mir gesandten Unterlagen übersenden. Es wird wahrscheinlich nötig sein, daß wir uns doch im Laufe des Januar treffen, um über diese Fragen uns auszutauschen. Wenn Sie Material über die nötige Entflechtung der großen Eisen- und Stahlkonzerne beschaffen könnten, so würde das auch sehr dankenswert sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und bin mit freundlichen Grüßen

Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Zur späteren Kontaktaufnahme mit Adenauer vgl. das Schreiben an Wilhelm Roelen vom 14.3.1947.

  2. ^

    Schreiben und tabellarische Anlagen »über die tatsächlichen Besitzverhältnisse im westlichen Bergbau«.

  3. ^

    Roelen hatte in einem seinem Schreiben ebenfalls beigefügten Exposé ›Sozialisierung des Bergbaus – Ein Streit um des Kaisers Bart‹ das »Direktionsprinzip, d. h. in der modernen Sprache ›Führerprinzip‹ des Staates«, dem »allgemeinen Berggesetz, d. h. unternehmerischer Betätigung«, gegenübergestellt.