Rhöndorfer Ausgabe Online
An Professor Dr. Rudolf Degkwitz
, HamburgStBKAH 08.18
Sehr geehrter Herr Degkwitz!
In der Zwischenzeit hat sich, wie Sie gehört haben werden, der Hauptausschuß des Zonenbeirats mit der Frage seiner Umbildung befaßt1. Sein Beschluß ist in den Drucksachen in einem Teile nicht richtig wiedergegeben. Es wird eine Korrektur erfolgen. Die Frage der »Vertreter« für Erziehung, Gesundheit und Wohlfahrt ist dabei auch in der Diskussion berührt worden. Da die Länder auf diesen Gebieten sowohl die Legislative als die Exekutive bekommen haben, ist die Einrichtung von Zentralvertretungen dieser Gebiete wohl nicht mehr möglich2. Man nahm in der Diskussion, die sich gerade um Ihre Person und um Ihre Kenntnisse drehte, daraufhin an, Sie von Fall zu Fall als Sachverständigen zuzuziehen. Selbstverständlich haben die verschiedenen Länder der britischen Zone vielfach gemeinsame Interessen auf dem Gebiete der Gesundheitsfrage. Ich nehme an, daß die dazu nötige Koordinierung aber selbst von ihnen vorgenommen wird und daß es von den Ländern nicht gewünscht werden wird, wenn ihnen von britischer Seite eine zonale Stelle auf einem Gebiet, das ihnen überwiesen ist, über- oder beigeordnet wird.
Ich empfehle Ihnen, die Weiterentwicklung abzuwarten. Ich denke, daß wir bei unserer nächsten Zusammenkunft im Zonenbeirat auch mündlich darüber sprechen werden. Mir scheinen gerade auf dem Gebiete des Gesundheitswesens besondere Verhältnisse vorzuliegen, die die Frage der Koordinierung anders erscheinen lassen als etwa auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts. Ich empfehle, diese Sachgebiete nicht unter dem gleichen Gesichtspunkt zu betrachten.
Mit besten Wünschen für 1947 und ergebensten Grüßen
Ihr
(Adenauer)
Vgl. das Protokoll der von Adenauer geleiteten Tagung des Hauptausschusses des Zonenbeirats am 14.12.1946 in Bad Godesberg; Druck: Akten zur Vorgeschichte Bd. 1, S. 1130-1150.
Hierzu das Anschreiben von Degkewitz‘ vom 3.12.1946: auch wenn z. Zt. »eine regelrechte Zentralstelle für Gesundheit nicht möglich« sei, »so läßt sich doch öffentlicher Gesundheitsdienst nicht ohne eine zentrale Planung … durchführen«.