Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

30. Juli 1947 (Rhöndorf)

An Generalkonsul Pierre Arnal

, Düsseldorf-Benrath

StBKAH 07.01


Sehr geehrter Herr [Arnal]1!

Gestatten Sie mir, mich in den folgenden persönlichen Angelegenheiten an Sie zu wenden:

1) Meine Tochter Libet, 18 Jahre alt, erhielt durch das Sacré cœur-Kloster in Pützchen b /Beuel die Nachricht, daß eine französische Familie in Bordeaux ihre Tochter für einige Wochen in eine deutsche Familie geben wolle. Sie sei bereit, eine Tochter der deutschen Familie dann einige Wochen bei sich aufzunehmen.

Sehen Sie einen Weg, wie man es dem jungen Mädchen ermöglichen könnte, möglichst bald in den Besitz der nötigen Papiere zu kommen2? Und wird es möglich sein, daß meine Tochter demnächst die Erlaubnis erhält, nach Frankreich zu gehen?

2) Ich muß häufig durch die französische Zone in die amerikanische fahren. Ich bekomme die Erlaubnis für die französische Zone immer nur für einen Monat, und es braucht immer eine ziemlich lange Zeit, bis die Genehmigung da ist. Das Gleiche gilt für meinen Chauffeur und meinen Mitarbeiter, Herrn Dr. Löns. Würde es möglich sein, daß ich sowohl wie mein Fahrer und mein Mitarbeiter für eine längere Zeit die Erlaubnis bekommen könnten, in die französische oder durch die französische Zone mit meinem Kraftwagen zu fahren? Und wie kann ich das erreichen3? Es wäre mir sehr lieb, wenn ich die gleiche Erlaubnis auch für meine Frau bekommen könnte, damit sie mich gelegentlich begleiten kann.

Ich füge Ihnen 2 Karten bei, aus denen Sie ersehen, daß immer nur für Reisen an einen bestimmten Ort und auf kurze Zeit die Genehmigung gegeben wird.

3) Die Tochter einer uns bekannten Familie aus Oldenburg möchte ab Herbst 1947 auf ein Jahr in ein klösterliches Pensionat in Remagen gehen4. Sie kann keine Klarheit darüber bekommen, welche Formalitäten zu erledigen sind. Würden Sie die Liebenswürdigkeit haben, mir auch darüber eine Auskunft geben zu lassen?

Es wird mich stets freuen, Sie sprechen zu können.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Bemühungen und bin mit verbindlichen
Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Über seine durch Generalkonsul von Weiss vermittelten Kontakten zu Adenauer in den Nachkriegsjahren (persönliche Gespräche am 13.6.1946 und 22.3.1947) hat Arnal selbst berichtet (Conrad Adenauer sous l’occupation britannique; vgl. Rudolf Morsey, Konrad Adenauer und die Gründung, S. 112), über seine Tätigkeit im besetzten Deutschland informieren: Walter Vogel, Westdeutschland T. II, S. 160, 166f., und Walter L. Dorn, Inspektionsreisen, S. 63f.
    Anschreiben oder Antworten Arnals (auf weitere Adenauer-Schreiben aus diesem Zeitraum) sind in StBKAH nicht erhalten.

  2. ^

    Mit Schreiben vom 4.9.1947 dankte Adenauer für die erfolgreichen Bemühungen Arnals (Taschenkalender-Eintragung Gussie Adenauers für den 3.9.1947: »Ank. Françoise« [Alexis]).

  3. ^

    Den »Empfang der beiden Pässe für mich persönlich« bestätigte Adenauer am 8.8.1947.

  4. ^

    Hierzu ist Korrespondenz mit Hermann Siemer erhalten (StBKAH 07.03).