Rhöndorfer Ausgabe Online
An Studienrat Carl Schröter
, KielStBKAH 07.24
Sehr geehrter Herr Schröter!
Auf der Sitzung des Zonenausschusses in Minden1 fand nach Ihrer Abreise eine sehr lange und sehr erregte Aussprache mit Herrn Kather und einigen Herren vom Flüchtlingsausschuß, die er auf meine Anregung mitgebracht hatte, statt. Zugrunde lag das Ihnen bekannte Ultimatum2. Über den Verlauf der Diskussion lassen Sie sich bitte von Herrn Ambrosius im einzelnen berichten. Ich habe es aber übernommen, Sie zu bitten, in Verhandlungen einzutreten mit den Vertretern der Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, um den Versuch zu machen, eine Bereinigung der Beschwerden, die die Flüchtlinge namentlich in Schleswig-Holstein erheben, zu versuchen. Diesem Auftrage komme ich hiermit nach. Wenn Sie es für angängig halten, würde ich an Ihrer Stelle mit Herrn Dr. Ryba verhandeln. Sein Auftreten im Zonenausschuß hat allgemein einen ausgezeichneten Eindruck gemacht.
Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Sitzung des CDU-Zonenausschusses vom 31.3./1.4.1948; Druck des Protokolls (mit Belegen für die nachfolgend erwähnte Kontroverse): Helmuth Pütz (Bearb.), Konrad Adenauer, S. 481-492.
Forderung nach stärkerer personeller Berücksichtigung von Vertriebenen in den Parteigremien sowie nach Mandaten im Wirtschaftsrat, erhoben durch den Zonenflüchtlingsausschuss und die Landesflüchtlingsausschüsse der CDU-Landesverbände in der britischen Zone am 14.3.1948 in Schneverdingen. Druck des Schneverdinger Schreibens (»An Herrn Oberbürgermeister a. D. Dr. Adenauer und die Herren Vorsitzenden der Landesverbände der CDU der britischen Zone«): Linus Kather, Die Entmachtung der Vertriebenen Bd. 1, S. 59-62 und Helmuth Pütz (Bearb.), Konrad Adenauer, S. 487-490.