Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

4. April 1948 (Rhöndorf)

An Johannes Albers

, Köln

StBKAH 08.11


Sehr geehrter Herr Albers!

Auf Ihren Brief vom 30.3.481 teile ich Ihnen folgendes mit: Mir ist, und zwar sehr positiv, gesagt worden, daß Sie bei der Beerdigung meiner Frau Herrn Keller aus Düsseldorf gegenüber folgende Bemerkung gemacht haben: »Die Leute kommen jetzt alle hierhin, weil sie von Adenauer etwas erwarten. In sechs Wochen ist es mit ihm vorbei.« Herr Keller hat mir dann bestätigt auf meine Frage, daß Sie ihm gegenüber tatsächlich diese Bemerkung gemacht haben2.

Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß ich über eine derartige Äußerung bei diesem Anlaß mir meine eigenen Gedanken gemacht habe. Nachdem, was ich inzwischen über den Verlauf der von Herrn Brauda einberufenen beiden Besprechungen gehört habe3, gewinnt diese Ihre Äußerung, auch noch eine andere Bedeutung.

Hochachtungsvoll
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Hierin: die Bitte Albers' um Nennung des Informanten, auf den sich Adenauer in einem mit Adolf Flecken geführten Gespräch berufen habe. In dieser Unterhaltung, so war Albers von Bruno Trawinski mitgeteilt worden, »haben Sie darauf verwiesen, daß ich gelegentlich der Beerdigung Ihrer Frau Gemahlin doch eine sehr deplazierte Bemerkung gemacht hätte.«

  2. ^

    Auch nach einer Richtigstellung von Albers vom 7.4.1948 beharrte Adenauer – am 14.4.1948 – auf der ihm hintertragenen Version: »daß ich es leider als Tatsache ansehen muß, daß Sie die von mir Ihnen mitgeteilte Äußerung wirklich gemacht haben.«

  3. ^

    Zu diesen von Klaus Brauda organisierten Zusammenkünften ist lediglich die (nicht näher spezifizierte) Darstellung von Johannes Albers vom 7.4.1948 erhalten, dass er, Albers, es »ganz entschieden ab[lehne], irgendwie mit Dingen in Verbindung gebracht zu werden, die hinter Ihrem Rücken gesponnen wurden«.