Rhöndorfer Ausgabe Online
An die CDU/CSU-Landesvorstände in der amerikanischen Zone
StBKAH 08.59, gleichlautende Schreiben an den Vorstand der CSU, München, der CDU Baden-Württemberg, Stuttgart, und der CDU Groß-Hessen, Darmstadt; Durchschlag mit Begleitschreiben an Oberbürgermeister Hans Redlhammer1, Wiesbaden
Sehr geehrte Herren!
Namens der CDU der britischen Zone gestatte ich mir, Ihnen folgendes vorzuschlagen:
Die CDU und CSU werden in dem Wirtschaftsrat2 für die beiden Zonen einen sehr großen Einfluß ausüben können. Voraussetzung dafür ist, daß sie hervorragend tüchtige Männer aus den verschiedenen Wirtschaftszweigen benennen. Es erscheint wohl zweckmäßig, wenn wir uns über die zu benennenden Persönlichkeiten vorher verständigen, damit jeder Teil der Wirtschaft gut im Wirtschaftsrat von ihr vertreten wird. Ich schlage Ihnen vor, daß Vertreter der CDU und CSU der beiden Zonen, sobald die Einzelbestimmungen über die Zusammensetzung des Wirtschaftsrats und die Verteilung auf die verschiedenen Länder feststeh[en], zusammentreten3.
Mit hochachtungsvollen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Adenauers Begleitschreiben enthält zugleich den Dank für die ihm in Wiesbaden zuteil gewordene Gastfreundschaft (Adenauer hatte dort am 2.6.1947 bei einer öffentlichen CDU-Versammlung über die innen- und außenpolitische Lage referiert; hierzu ein Bericht der DENA vom 3.6.1947)
›Wirtschaftsrat‹ für die amerikanische und britische Besatzungszone mit Sitz in Frankfurt/Main: geschaffen durch das am 29.5.1947 unterzeichnete interalliierte ›Abkommen über Neugestaltung der zweizonalen Wirtschaftsstellen‹ (Druck: Tilman Pünder, Das bizonale Interregnum, S. 370-376).
Zur Benennung der 52 Mitglieder des Wirtschaftsrats durch die Landtage beider Zonen vor der ersten Zusammenkunft am 25.6.1947 vgl. Tilman Pünder, Das bizonale Interregnum, S. 98 f