Rhöndorfer Ausgabe Online
An Johannes Rings
, Köln-LindenthalStBKAH 07.02
Lieber Herr Rings!
Haben Sie herzlichsten Dank für Ihre Namenstagswünsche1. Ich war während meines Namenstages auf der Fahrt nach Hamburg. So sehr bin ich jetzt in Anspruch genommen! Ich bitte Sie, daraus auch zu ersehen, wie es kommt, daß ich meine besten alten Freunde so sehr vernachlässige. Ich tue es wirklich nur gezwungen durch die Umstände. Wie ich Ihnen aber schon schrieb, hoffe ich, Sie in der Weihnachtszeit aufsuchen zu können. Ich freue mich, daß Sie Nachricht von Ihrem in russischer Gefangenschaft befindlichen Enkel bekommen haben. Ich meine, es müßte möglich sein, Ihren in englischer Gefangenschaft befindlichen Enkel früher freizubekommen2. Wenden Sie sich doch bitte einmal an Herrn Oberbürgermeister Dr. Pünder, der sehr befreundet ist mit dem Stadtkommandanten White, und bitten Sie ihn, über Henn White einen Versuch zu machen, daß Ihr Enkel in eine andere Gruppe kommt.
Ihre Briefe sind immer eine Fundgrube für allerhand wertvolle Gedanken. Ich habe mir Ihr Zitat aus dem Nürnberger Prozeß3 für eine zukünftige Rede wohl gemerkt. Ihr Urteil über Foerster teile ich4. Ich habe auch Zitate, Briefe von ihm in der »Neuen Zürcher Zeitung« gelesen und bin entsetzt über die Verirrung und Verblendung dieses Mannes.
Meiner Frau geht es langsam, aber stetig besser. Für den Fall, daß ich nicht vor Weihnachten zu Ihnen komme, wünsche ich Ihnen und den Ihren jetzt schon ein recht gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 1947!
Mit recht herzlichen Grüßen, auch von meiner Frau, an Sie und all die Ihrigen, wie immer
Ihr
Schreiben von Johannes Rings vom 23.11.1946.
In dieser Angelegenheit wandte sich Adenauer ebenfalls am 7.12.1946 an Hermann Kaiser, Aachen (Schreiben in StBKAH 07.11).
Äußerung des amerikanischen Hauptanklagevertreters im Nürnberger Prozeß, Robert H. Jackson (1892-1954), zur Notwendigkeit differenzierter Schuldzuweisung gegenüber dem deutschen Volk.
Rings hatte, ohne genaue Wiedergabe eines Zitats, den schweizerischen Pädagogen Friedrich Wilhelm Foerster (1869-1966) erwähnt, »der in einem kaum zu überbietenden Deutschenhaß jeden Deutschen … als verantwortlich für die von den Nazis begangenen Verbrechen und den zweiten Weltkrieg erklärt.«