Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

7. November 1947 (Rhöndorf)

An Johannes Albers

, Köln

StBKAH 08.11


Ihren Brief vom 4. November1 habe ich mit großem Interesse gelesen.

Zu 1):
Bedauerlicherweise sind gerade die Verhältnisse in der Stadt Köln besonders schlecht2. In keinem Kreise ist die Zahl der Arbeitnehmer unter den eingetragenen Mitgliedern so auffallend gering wie in Köln; während der durchschnittliche Anteil der Arbeitnehmer im Rheinland 21,5 % beträgt, beträgt er in Köln nur 9,5 %. Dabei sind die Ehefrauen, soweit sie Parteimitglieder sind, zur Berufsgruppe des Ehemannes hinzugerechnet. Ich muß gestehen, daß diese Feststellung gerade in Köln mir große Sorge für Köln macht. Ich darf nicht verhehlen, daß gerade in letzter Zeit mir anscheinend durchaus substantiierte Klagen über die Leitung der CDU in Köln mitgeteilt worden sind. Ich darf darauf noch zurückkommen.

Zu 2):
Ohne Essen - in Essen scheinen die Verhältnisse Gott sei Dank günstiger zu liegen3 – haben nach dem Londoner Sender die CDU-Kandidaten insgesamt 14% der abgegebenen Stimmen im Ruhrgebiet erhalten. Falls diese Angabe richtig ist, werden Sie mit mir darin übereinstimmen, daß die Situation traurig und ernst für uns im Industriegebiet bei den Bergarbeitern ist.

Ich würde mich freuen, den in Aussicht gestellten Bericht baldigst zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Das Mitte November 1947 bekanntgegebene endgültige Ergebnis der Betriebsratswahlen in den Bergwerken des Ruhrgebiets: SPD 617 Mandate, KPD 417, CDU 185, Parteilose 114; vgl. Christoph Kleßmann /Peter Friedemann, Streiks und Hungermärsche, S. 66-73.

    Auf die Kandidatengruppe der Parteilosen wies Albers in seinem Antwortschreiben vom 4.11.1947 besonders hin; ihr gehörten zahlreiche CDU-Sympathisanten an, so dass sich der Gesamteindruck (besonders im rheinisch-westfälischen und im Kölner Braunkohlenrevier) zugunsten der Union verschiebe; im übrigen habe das praktizierte Mehrheitswahlrecht bewirkt, daß die CDU »nicht die ihr zustehenden Kandidaten erhielt«.

  2. ^

    Adenauer stützt sich im nachfolgenden auf eine parteiintern verbreitete Untersuchung des Sekretariats des CDU-Landesverbands Rheinland vom 5.10. 1947: ›Die Zusammensetzung unseres Mitglieder-Bestandes‹, aufgeteilt nach Männern und Frauen (74,5% : 25,5%), Altersstufen (vor 1900 geboren: 61,8%, 1900-1920 : 31,1%, nach 1920: 7,1%), Ost-Vertriebenen (lückenhafte Angaben), Religionsbekenntnis (85,6% Katholiken, 14,2% Evangelische), Berufsgruppen (Arbeiter: 21,5%, Angestellte: 16,5%, Landwirte: 12%, Handwerker: 10,7%, Rentner und Invaliden: 10,6%, Kaufleute: 7,7%).

  3. ^

    Bei den Betriebswahlen auf den Essener Schachtanlagen hatten sich insgesamt 97 CDU-orientierte Kandidaten durchgesetzt (SPD: 104, KPD: 96); hierzu ein von Albers übermittelter Bericht der ›Rheinischen Post‹ vom 5.11.1947.