Rhöndorfer Ausgabe Online
An Oberstudiendirektor Albert Maier
, BonnStBKAH 07.16
Sehr geehrter Herr Maier1!
Ich komme auf die Angelegenheit von Fräulein Agnes Ernst2 nochmals zurück. Sie schrieb, daß sie Verbindungen hätte mit dem Vorsitzenden der katholischen Partei in Frankreich, Herrn Schumann[!]. Würden Sie vielleicht die Güte haben, aus sich heraus ihr nahezulegen, diese Verbindungen im Interesse einer Verständigung auszunutzen? Ich selbst möchte mich aus Ihnen wohl verständlichen Gründen nicht direkt mit einer solchen Anregung an Fräulein Ernst wenden.
Ich danke Ihnen sehr für Ihre guten Wünsche. Wir beackern ein steiniges Feld!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Ein Anschreiben Maiers ist nicht erhalten; zwei Antwortschreiben vom 18.4 und 19.5.1947 informieren kurz über einen Briefwechsel mit Agnes Ernst (siehe Anmerkung 2).
Zu Agnes Ernst ist eine ms. Notiz (o. D.) von Josef Löns erhalten: »… Vater war praktischer Arzt in Metz … Zur engeren Verwandtschaft gehörte der ehemalige deutsche Botschafter in Paris, Dr. [Wilhelm] Mayer …. hat Frl. Ernst enge Beziehungen zum jetzigen französischen Finanzminister Schumann[!]«.
Über Kontakte zu Schuman (von dem sie ein »Zeugnis Ia« habe) hatte Agnes Ernst bereits am 5.11.1946 in einem an Adenauer gerichteten Schreiben berichtet; der Schlusssatz eines weiteren Schreibens vom 23.2.1947 lautet: »Minister Schuman hat mich grüßen lassen…«.