Rhöndorfer Ausgabe Online
An Frau Geheimrat Ilse Tilmann
, Köln-MülheimStBKAH 07.03
Sehr geehrte Frau Geheimrat!
Auf Ihren Brief, der an meine Frau gerichtet ist1, erlaube ich mir, Ihnen zu erwidern, daß ich Ihren Sohn ja nur in seiner Kindheit gekannt habe. Ich bin daher nicht in der Lage, aus eigener Wissenschaft etwas über ihn zu bekunden. Ich könnte höchstens sagen, daß er aus einer gut katholischen Familie stamme, daß er nach meinen Erkundigungen politisch völlig desinteressiert sei und daß ich daher nicht glaubte, daß er irgendwie überzeugter Nationalsozialist gewesen sei. Wenn Ihnen damit geholfen ist, bin ich gerne bereit, ein solches Zeugnis auszustellen.
Meine Frau und ich haben uns gefreut, ein Lebenszeichen von Ihnen zu erhalten, und sind mit freundlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Anschreiben vom 12.3.1947 mit Hinweisen auf die Kriegsgefangenschaft ihres Sohnes Engelbert (»vor dem Krieg Syndikus an der Industrie- und Handelskammer in Arnsberg i. W.«) und dessen Freundschaft zu Max Adenauer; ein Schreiben der Ehefrau von Engelbert Tilmann an Adenauer vom 16.4.1947 verweist zusätzlich auf die – bei Kontaktaufnahme mit Adenauer – vermittelnden Dienste von Norbert Kaps.