Rhöndorfer Ausgabe Online
An Generalkonsul Maurice W. Altaffer
, BremenStBKAH 07.01
Sehr verehrter Herr Altaffer1!
Haben Sie herzlichen Dank für das Buch von Professor Roepke2. Mich interessiert insbesondere seine Analyse der Vorgeschichte des Nationalsozialismus. Ich stehe im Begriff, für einige Zeit nach der Schweiz zu verreisen. Ich hoffe, daß Sie das Buch bis zu meiner Rückkehr werden entbehren können. Wenn nicht, bitte ich, mir zu schreiben. Es wird Ihnen dann von Rhöndorf aus zurückgeschickt werden.
Herrn Roepke würde ich sehr gerne persönlich kennen lernen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir dazu bei seiner Anwesenheit im Juli d. Js. die Möglichkeit geben würden3.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Altaffer hatte am 4.6.1947 Wilhelm Röpkes ›Die Deutsche Frage‹ (s. u.) zusammen mit »verschiedenen Artikeln, die in der ›Neuen Zürcher Zeitung‹ erschienen sind und das Buch sozusagen ergänzen und aktuell machen«, übermittelt. (Kurz zuvor hatte bereits Paul Silverberg – mit seinem Schreiben vom 14.5.1947 – auf eine Veröffentlichung Röpkes in der ›Neuen Zürcher Zeitung‹ aufmerksam gemacht. Ebenfalls in diesen Zeitraum fallen – beifällig kommentierte – briefliche Hinweise auf Röpke durch: a) Josef Nagel in einem Schreiben vom 2.6.1947 [StBKAH 07.16]; b) Julia Dünner in einem Schreiben vom 5. 6.1947 [StBKAH 07.13]).
Zur besonderen Bedeutung, die Adenauer dem Urteil Röpkes beimaß, vgl. den Hinweis in den Erinnerungen (1945-1953, S. 337: nach Konsultation Röpkes Ernennung Walter Hallsteins zum deutschen Vertreter bei den Verhandlungen über den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl).
Bereits vor der hier nachgewiesenen ersten Erwähnung im Briefwerk hatte sich Adenauer am 12.11.1946 im nordrhein-westfälischen Landtag auf Röpke berufen (Stenographischer Bericht über die 2. Vollsitzung am 12. und 13. November 1946, S. 17).
Altaffer hatte auf eine für den Juli 1947 geplante Reise Röpkes nach Norddeutschland hingewiesen; dabei angeknüpfte Kontakte zu Adenauer (etwa vor oder nach dessen Teilnahme an der CDU-Zonenausschusstagung in Eutin am 27./28.7.1947) konnten nicht nachgewiesen werden.