Rhöndorfer Ausgabe Online
An Heinz Sangermann
, Köln-SülzStBKAH 07.06
Sehr geehrter Herr Sangermann!
Auf Ihren Brief vom 20.3.1948 erwidere ich Ihnen ergebenst folgendes: Ich begrüße den Gedanken sehr1. Teilen Sie mir aber bitte mit, wie Sie den Begriff »geistiges Köln« auffassen, insbesondere, ob Sie das gesamte öffentliche Leben, darunter auch das politische Leben Köln's vor 1933 mit darunter verstehen, und ferner, ob auch bereits Verstorbene mit darunter verstanden werden. Der Tod hat unter denen, die in der Zeit bis 1933 in Köln lebten und wirkten, eine reiche Ernte gehalten. Ich fürchte, es werden nicht mehr viele am Leben sein. Daher ist es wohl richtig, wenn Sie die Verstorbenen mit hereinnehmen, soweit sich davon Fotos beschaffen lassen. Ich bin gerne bereit, Ihnen nach Kräften behilflich zu sein, diese Periode auch im Bilde der damals tätigen Männer und Frauen für die Erinnerung festzuhalten.
Von einem geistigen Leben in Köln während der Zeit von 1933 bis 1945 kann man wohl nicht gut sprechen.
Ich stelle mich Ihnen gerne zu einer fotografischen Aufnahme zur Verfügung. Ich bitte Sie, zu entscheiden, ob ich nach dort in Ihr Atelier kommen soll oder ob Sie sich nach Rhöndorf bemühen wollen.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
(Adenauer)
Sangermann hatte von seinem Plan einer »photographische[n] Sammlung ›Geistiges Köln‹« berichtet, in der er – vor allem unter Würdigung Adenauers – Menschen portraitieren wolle, »die das geistige Gesicht Kölns repräsentieren, Menschen, die eben zu dem Begriff Köln gehören.«