Rhöndorfer Ausgabe Online
An den 1. Bürgermeister von Karlsruhe, Staatsrat a.D. Fridolin Heurich
, KarlsruheStBKAH 08.52
Sehr geehrter Herr Heurich!
Ihren Brief vom 4. d. Mts. habe ich erhalten1. Wenn es Ihnen möglich wäre, mir mitzuteilen, welches im allgemeinen die Gründe für das Abschwenken der Protestanten in das demokratische Lager gewesen sind, so würde ich Ihnen dafür dankbar sein. Inzwischen werden Sie gehört haben, daß die Besprechungen in Königstein wieder aufgeschoben sind2. Diesmal sollen es die Bayern verlangt haben. Bei den verworrenen Zuständen in Bayern nimmt mich das nicht wunder3.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
(Adenauer)
Heurich (Adenauers Gastgeber bei einer Reise nach Südwestdeutschland im November 1946) hatte vom Ausgang der württemberg-badischen Landtagswahlen am 24.11.1946 berichtet (CDU 38,4 %, SPD 31,9 %, FDP/DVP 19,5 %).
Für den 12./13.12.1946 war eine Tagung der CDU/CSU-Arbeitsgemeinschaft in Königstein/Taunus bei Wiesbaden vorgesehen, die jedoch verschoben wurde; vgl. das Schreiben an Bruno Dörpinghaus vom 21.12.1946.
Vgl. hierzu die sehr drastische Schilderung Adenauers am 17.12.1946 in Lippstadt; Druck: Helmuth Pütz (Bearb.), Konrad Adenauer, S. 251