Rhöndorfer Ausgabe Online
An den Vorsitzenden des Verwaltungsrats für Wirtschaft des amerikanischen und britischen Besatzungsgebiets, Dr. Rudolf Müller
, Minden/WestfalenStBKAH 07.16
Sehr geehrter Herr Müller!
Ihren Brief nebst Anlage, darunter auch eine Abschrift Ihres Briefes vom 9.11. d. Js. habe ich erhalten1. Ihre Ausführungen habe ich mir sehr aufmerksam durchgelesen. Ich möchte mündlich darauf zurückkommen. Inzwischen hat sich die Situation seit unserem letzten Gespräch etwas geändert. Die Demontage lebenswichtiger Betriebe ist anscheinend bis zum Frühjahr eingestellt2. Damit entfällt für uns die Notwendigkeit, in der nächsten Zeit Stellung zu der mit Ihnen besprochenen Frage zu nehmen. Darf ich noch um Mitteilung bitten, ob Sie zu den von Ihnen beabsichtigten Zusammenkünften mit den Vertretern der vier größten Parteien einen mehr politisch oder mehr wirtschaftlich eingestellten Herrn wünschen.
Mit ergebenen Grüßen
Ihr
(Adenauer)
Nach einer Zusammenkunft mit Adenauer am Rande der 9. Zonenbeiratssitzung hatte Müller – in Ergänzung seiner dort gehaltenen wirtschaftspolitischen Rede (Druck: Akten zur Vorgeschichte Bd. 1, S. 1069-1077) – den Vortrag ›Die politische Aufgabe‹ übermittelt (»Konzentration der politischen Parteien auf die Tagesfragen. als »Fundament für die politische Erziehung zur Demokratie für breiteste Kreise«).
Hierzu lagen Adenauer zu diesem Zeitpunkt vor: a) ein Schreiben William Asburys vom 29.11.1946 mit der Mitteilung, »that there is no intention of closing any more factories at present, except in cases of fuel shortages« (StBKAH 07.10); b) ein Schreiben des Privatsekretärs von William Asbury, C. S. Hampton, vom 6.12.1946: » … decision … not to close down any further steel works for reparations at the present time« (StBKAH 07.10).