Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

9. Februar 1947 (Rhöndorf)

An Regional Commissioner William Asbury

, Düsseldorf

StBKAH 07.13


Sehr geehrter Herr Asbury!

In der Unterredung, die ich im Oktober 1946 nach den Wahlen mit Ihnen zu führen die Ehre hatte, sagte ich, daß es für unsere Partei eine Ehrensache sei, die Angelegenheit des Herrn Dr. Pferdmenges, der aus seinen Ämtern ohne Angabe von Gründen entlassen war, zu klären1. Sie hatten damals die Freundlichkeit, mir eine solche Klärung zuzusagen. Vor einiger Zeit ließen Sie mir mitteilen, daß z. Zt. Sie noch nichts tun könnten, daß aber voraussichtlich nach einigen Monaten Sie in der Lage wären, in der Angelegenheit etwas zu unternehmen.

Wie ich höre, haben Sie vor einiger Zeit dem Generalsuperintendenten Stoltenhoff, der sich in der gleichen Angelegenheit an Sie wandte, gesagt, daß Sie hofften, die Angelegenheit des Herrn Pferdmenges werde sich baldigst zu seinen Gunsten aufklären.

Darf ich Sie nunmehr bitten, mir Auskunft darüber zu geben, und Sie ferner bitten, das Ihre zu tun, damit möglichst bald der Fall aufgeklärt wird2? Herr Dr. Pferdmenges ist immer ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus gewesen. Er hat sich als solcher bekannt, und es ist sehr schade, daß eine so außerordentlich wertvolle Kraft nicht mehr in öffentlichen Angelegenheiten tätig sein darf.

In ausgezeichneter Hochachtung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Nach öffentlichen Angriffen gegen Pferdmenges (KPD-Vorwurf: »Nazi-Millionär«) und eigener öffentlicher Kritik an der Besatzungsmacht wurde Pferdmenges Ende September 1946 als Präsident der Kölner Industrie- und Handelskammer abgesetzt und (bis April 1947) mit einem öffentlichen Betätigungsverbot belegt; vgl. Wilhelm Treue, Robert Pferdmenges, in: Rheinische Lebensbilder Bd. 7 (1977), S. 284.

  2. ^

    Eine Antwort Asburys (am 12.3.1947 angemahnt, »da ich in öffentlichen Diskussionen immer wieder nach dieser Angelegenheit gefragt werde«) ist in StBKAH nicht erhalten.