Rhöndorfer Ausgabe Online
An Ministerpräsident Karl Arnold
, DüsseldorfStBKAH 08.63, mit ms. Vermerk »Persönlich!«
Sehr geehrter Herr Arnold!
Mit bestem Dank bestätige ich den Empfang Ihres Schreibens vom 27.8.471 und unser heutiges telefonisches Gespräch in der Angelegenheit Spiecker.
Ich bin nicht dahin unterrichtet worden, daß Sie beabsichtigten, anläßlich der Ministerkonferenz am 29. August dafür einzutreten, daß die entnazifizierten und in die Kategorie V2 eingestuften Beamten nicht wieder eingestellt werden sollten.
Mir ist in Recklinghausen3 – ich kann Ihnen aber mit dem besten Willen nicht mehr sagen, wer mir diese Mitteilung gemacht hat – gesagt worden, daß das Kabinett in seiner Mehrheit einen solchen Beschluß gefaßt habe, den Sie nun auf der Ministerkonferenz vertreten müßten4.
Ich bin gerne bereit, Ihnen schriftlich oder mündlich sofort alle wichtigen Beanstandungen mitzuteilen und Ihnen auch den Betreffenden, der mir etwas gesagt hat, zu nennen. Auch ich bin, wie ich das ja in unserer letzten Unterredung schon habe erkennen lassen, der Auffassung, daß durch beabsichtigte oder unbeabsichtigte Zwischenträgereien Mißverständnisse zwischen Ihnen und mir hervorgerufen worden sind, die durchaus unbegründet waren.
Wie ich Ihnen bereits heute telefonisch sagte, findet eine Sitzung unserer Fraktion am 23. September, vormittags 10.30 Uhr in Recklinghausen statt. Es wurde in der Besprechung, die wir am 30. August in Recklinghausen über die Verfassung hatten – es waren etwa 30 Fraktionsmitglieder anwesend – so viele Klagen über die Landesregierung laut, daß es uns richtig erschien, die Aussprache hierüber als besonderen Punkt auf die Tagesordnung der Fraktionssitzung vom
Nach Berlin kann ich zu meinem großen Bedauern nicht reisen5. Ich leide an einem infektiösen Darmkatarrh, der nach Meinung des Arztes bis Donnerstag, dem Reisetag, nicht abgeklungen sein wird. Ich bedauere das außerordentlich und bitte, das auch ausdrücklich Herrn Kaiser zu sagen.
Ich habe Herrn Holzapfel gebeten, mich zu vertreten; es kann sein, daß er durch die Verhandlungen des Wirtschaftsrates in Frankfurt (Main) festgehalten sein wird. Ich hatte zuerst in Aussicht genommen, Sie für diesen Fall zu bitten, für die Christlich-Demokratische Union der britischen Zone zu sprechen. Ich habe aber bei näherer Überlegung geglaubt, davon Abstand nehmen zu sollen, da ich befürchte, daß Sie als Ministerpräsident eines Landes der britischen Zone bei der offenbaren Zunahme der Spannung zwischen Rußland einerseits und Amerika und England andererseits in eine schwierige Lage kommen könnten6. Ich werde daher eventualiter, falls Herr Holzapfel nicht anwesend ist, ein anderes Mitglied des Zonenausschusses um meine Vertretung bitten.
Ich erlaube mir, auf das anliegende Schreiben über den Fall des Oberkreisdirektors in Soest besonders hinzuweisen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
(Adenauer)
In StBKAH nicht erhalten.
Gruppe der Entlasteten in den seit Frühjahr 1947 für die britische Zone geltenden Entnazifizierungskategorien; vgl. Wolfgang Krüger, Entnazifiziert!, S. 129- 135.
Zum hiermit angesprochenen CDU-Parteitag in Recklinghausen vgl. Anm. 1 im Schreiben an Friedrich Holzapfel vom 16.8.1947.
Vgl. die in diesem Zeitraum an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten ergangene Anweisung der britischen Militärregierung »betr. Kategorisierung durch britische Berufungsausschüsse« (13.8.1947); Druck: Irmgard Lange (Bearb.), Entnazifizierung, S.484. Vgl. auch Wolfgang Krüger, Entnazifiziert!, S. 58-60.
Zur hiermit angesprochenen zweiten CDUD-Jahrestagung (6.-8.9.1947) vgl. Werner Conze, Jakob Kaiser, S. 162-175. Vgl. auch das Schreiben an Jakob Kaiser vom 1.9.1947 sowie ein weiteres vom selben Tag.
Angaben zur Teilnahme Arnolds (!) am Berliner Parteitag bei Werner Conze, Jakob Kaiser, S. 171f. Teildruck der dort gehaltenen Rede ›Wirtschaftsnot und Wirtschaftsordnung‹ Detlev Hüwel//Jürgen Rosorius (Hg.), Der Politiker Arnold, S. 72-75.