Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

11. April 1947 (Rhöndorf)

An Dannie N. Heineman

, Brüssel

StBKAH 07.01, Übermittlung dieses Schreibens durch Regierungsbaurat Friedriech Spennrath, Berlin-Grunewald (mit Begleitschreiben in StBKAH 07.03) und Baron Richard, Brüssel/Belgien (mit Begleitschreiben in StBKAH 07.02)


Lieber Herr Heineman!

Endlich erhalte ich durch Herrn Spennrath Ihre Adresse1. Ich hatte im Sommer 1945 in einem Briefe an Ihren Sohn, der, wie ich damals hörte, in der amerikanischen Botschaft in London war, geschrieben und um Nachricht über Sie und Ihre Frau gebeten2. Ich vermute, daß der Brief sein Ziel nicht erreicht hat.

Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören, wie es Ihnen allen geht. Anscheinend sind Sie ja weiter tätig. Wo leben Sie jetzt mit Ihrer Frau, wo sind Ihre Kinder? Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Uns geht es einigermaßen. Unsere drei Söhne sind alle aus der Gefangenschaft zurück. Der Älteste ist stellvertretendes Vorstandsmitglied des Rheinischen Elektrizitätswerks in Köln (früher Fortuna), der Zweite, Max, der uns damals auf der Reise nach Brüssel begleitete, ist bei Klöckner-Humboldt in Köln-Deutz, der Dritte, Paul, studiert Theologie in Bonn.

Ich war im August 1944 im Konzentrationslager, wurde dann wegen lebensgefährlicher Erkrankung entlassen, nach kurzer Zeit aber wieder verhaftet. Gleichzeitig mit mir wurde meine Frau verhaftet. Wir beide waren, ohne daß wir zunächst voneinander wußten, im Gestapo-Gefängnis in Brauweiler bei Köln. Meine Frau ist nach 10 Tagen entlassen worden, ich nach 2 1/2 Monaten. Ich bin dann in Rhöndorf unter strenger Aufsicht geblieben und habe es wohl nur dem überraschenden Vorgehen der amerikanischen Truppen über die Remagener Brücke zu verdanken, daß ich noch am Leben bin.

Meine Frau hat sich im Gefängnis eine sehr schwere Bluterkrankung zugezogen. Sie leidet sehr darunter. Ich versuche, für sie und mich einen Paß für die Schweiz zu bekommen, in der Hoffnung, daß ein Aufenthalt in der Höhe ihr Besserung bringt3.

Von den Amerikanern wurde ich wieder als Oberbürgermeister in Köln eingesetzt, dann aber im ‹Oktober4 1945 von den Engländern abgesetzt. Ich bin dann auf Verlangen meiner Freunde politisch tätig geworden und bin der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union der britischen Zone. Ich habe in dieser meiner Eigenschaft mehr Arbeit und körperlich anstrengende Arbeit durch das ständige Reisen, als ich je früher gehabt habe.

Über die allgemeine Lage in Deutschland brauche ich Ihnen nichts zu sagen.

Unser Haus in Rhöndorf hat bei den Kämpfen, die hier 5 Tage stattgefunden haben, einige Volltreffer bekommen, ist aber wieder hergestellt. Meine Frau und ich würden uns außerordentlich freuen, Sie Beide einmal wiederzusehen.

Mit herzlichen Grüßen, auch von meiner Frau,
Ihr
(Adenauer)

P.S.: Ich schicke den gleichen Brief an Herrn Spennrath, Berlin, da Sie, wie er mir schrieb, Anfang Mai d.Js. in Berlin sein werden.


  1. ^

    Schreiben Friedrich Spennraths mit neueren Informationen über Heineman vom 18.3.1947 (StBKAH 07.03).

  2. ^

    Schreiben an James H. Heinemann vom 12.9.1945 (HAStK Acc. 2, A 357).

  3. ^

    Hierzu ein ausführlicher schriftlicher Antrag Adenauers an den zuständigen Abteilungsleiter in der Militärregierung für Nordrhein-Westfalen, Mr. L.H. Long, vom 10.4.1947 (StBKAH 07.02); vgl. die Schreiben an Christopher E. Steel vom 16.5.1947 und an Franz Rudolf von Weiss vom 1.6.1947.

  4. ^

    ‹ › vom Bearb. korrigiert aus »November«.