Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

11. April 1947 (Rhöndorf)

An die Arbeitsgemeinschaft Ostvertriebener Seelsorger

, Lippstadt

StBKAH 07.13, ohne Anrede


Von Herrn Ehren1 erhalte ich Abschrift Ihres Briefes an ihn vom 2. d. Mts., der sich mit der Wiedergabe einer Rede, die ich in Marburg gehalten habe2, beschäftigt. Ich habe die »Westfalenpost« nicht gelesen. Augenscheinlich ist aber das Referat über meine Rede nicht zutreffend. Ich habe in Marburg ausgeführt, daß in USA ein Plan in der Öffentlichkeit diskutiert sei, die gesamten Ostgebiete unter die Aufsicht der UNO zu stellen und unseren Ostvertriebenen die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Ich habe hinzugefügt, daß das eine Lösung sein würde, die wir nur als eine vorübergehende Notlösung würden betrachten können. Es ist wohl selbstverständlich, daß, wenn überhaupt etwas Derartiges infrage kommt, die deutschen Vertriebenen als freie und unabhängige Menschen wieder ihr Eigentum zurückerhalten müssen. So waren auch die amerikanischen Vorschläge gemeint. Mein bisheriges Eintreten für die Vertriebenen sollte mich wirklich vor solchen Insinuationen schützen, wie sie in dem Schreiben vom 2. April d. Js. ausgesprochen sind.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
(Adenauer)


  1. ^

    Ein Schreiben Ehrens an Adenauer aus diesem Zeitraum ist nicht erhalten; zu seiner Position in der nachfolgend erörterten Frage vgl. Akten zur Vorgeschichte Bd. 3, S. 468.

  2. ^

    Vgl. das Schreiben an Hans-Heinrich von Portatius vom 1. April 1947.