Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

1. April 1947 (Rhöndorf)

An Hans-Heinrich von Portatius

, Haus Ossenberg bei Rheinberg/Kreis Moers

StBKAH 07.16


Sehr geehrter Herr von Portatius1,

Ich glaube, daß Sie meine Ausführungen nicht völlig gelesen haben oder daß sie in der »Rheinischen Post« nicht richtig wiedergegeben waren. Ich habe ausgeführt, welcher Widerspruch darin liegt, daß man uns die agrarischen Überschußgebiete nehme, die Bevölkerung von dort in den Westen preßt und gleichzeitig die Exportmöglichkeiten durch Demontage usw. beschneide. Wenn man die Ostgebiete nicht zurückgebe, müsse man uns einen erheblich höheren Export gestatten, als wir ihn früher hatten. Falls die Alliierten aus Gründen internationaler Konkurrenz einen solchen höheren Export fürchteten, bliebe auch ihnen nichts anderes übrig, als die Konsequenzen zu ziehen und die Ostgebiete uns zurückzugeben. Ich habe auch in allen meinen Reden immer wieder betont, so z. B. gestern noch in Bielefeld, daß wir einen unveräußerlichen Rechtsanspruch auf die Ostgebiete hätten, den wir niemals preisgeben können.

Hochachtungsvoll
(Adenauer)


  1. ^

    Von Portatius (»Christ, Ostvertriebener aus Schlesien und Wähler der CDU«) hatte am 26.3.1947 auf einen Pressebericht über Adenauers Wahlkampf-Eröffnungsrede in Lingen/Emsland am 23.3.1946 aufmerksam gemacht. – Zu den dortigen Äußerungen über die Zukunft ehemaliger deutscher Ostgebiete sind weiterhin erhalten:

    a) ein Schreiben von Justizminister Artur Sträter vom 21.3.1947 mit der Antwort Adenauers vom 1.4.1947 (StBKAH 08.20),

    b) ein Protestschreiben von Fritz Blank, Wuppertal-Elberfeld vom 14.4.1947 mit der Antwort Adenauers vom 15.4.1947 (StBKAH 07.13). Vgl. auch das Schreiben an die Arbeitsgemeinschaft Ortsvertriebener Seelsorger, Lippstadt vom 11.4.1947.