Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

13. Oktober 1946 (Rhöndorf)

An Dr. Margaretha Gröwel

, Hamburg

StBKAH 08.57


Liebes Fräulein Gröwel!

Aus der »Hamburger Allgemeinen« ersehe ich zu meinem Bedauern, daß man in Berlin Ihre Kandidatur nicht genehmigt hat1. Ich hoffe sehr, daß dadurch an Ihrer Tätigkeit im Zonenausschuß sich nichts ändert. Wir sind ja an politisch geschulten Frauen wahrhaftig nicht reich! Die Sitzung des Zonenbeirats wird nun erst nach der Sitzung des Zonenausschusses stattfinden. Ich denke, daß wir dann über die Angelegenheit im Zonenausschuß sprechen werden.

Meine Reden habe ich ziemlich bis zum Schluß durchhalten können, bis dann plötzlich meine Frau lebensgefährlich erkrankte, so daß ich die beiden letzten Reden absagen mußte. Gott sei Dank befindet sich meine Frau wieder auf dem Wege der Besserung.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Hierzu ist in StBKAH eine eigene Darstellung Margaretha Gröwels nicht erhalten; einem weiteren, unbeantwortet gebliebenen Adenauer-Schreiben vom 3.9.1946 zufolge, war ihre Kandidatur für die Hamburger Bürgerschaft unter anderem an öffentlichen Angriffen der SPD gescheitert (Adenauer: »Der politische Kampf ist eben ziemlich rauh«).