Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

14. April 1948 (Rhöndorf)

An Heinrich Scheppmann, Hauptabteilung für Bergbau und Kohlewirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets

, Frankfurt/Main

StBKAH 07.24, mit ms. Vermerk »Persönlich!«


Sehr geehrter Herr Scheppmann!

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Ergebnis, daß Sie bis auf weiteres in Nordrhein-Westfalen nicht entbehrt werden können1. Ich weiß, daß man Ihnen damit gewisse Opfer zumutet, und ich weiß ferner, daß Sie gerade von nahestehenden Kreisen nicht immer mit Wohlwollen betrachtet und behandelt werden. Trotzdem bitte ich Sie, in Nordrhein-Westfalen bis auf weiteres zu bleiben. Das scheint mir auch deswegen notwendig, weil anscheinend der Gesundheitszustand des Herrn Böckler2 zu Bedenken Anlaß gibt und dadurch schwerwiegende Änderungen in der Leitung der Gewerkschaft in den Bereich des Möglichen gerückt sind.

Sie dürfen versichert sein, daß ich immer bemüht sein werde, Ihre Position gegenüber etwaigen Angriffen zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Scheppmann hatte Adenauer am 8.4.1948 über seine Frankfurter Tätigkeit berichtet (Referat Sozialwesen in der Hauptabteilung Bergbau- und Kohlewirtschaft) und auf die sich daraus ergebenden Probleme der Gewerkschaftsarbeit hingewiesen. So drohe in der IG Bergbau nach seinem Ausscheiden (»der vorgesehene Nachfolger ein Mann von der SPD«) eine wesentliche Schwächung »[u]nseres Einfluss[es] in dem großen Bezirk der Bergarbeiter Nordrheins…«. Vgl. die Schreiben an Adolf Flecken vom 24.4.1948 und an Eduard Schalfejew vom 21.6.1948.

  2. ^

    Vgl. Ulrich Borsdorf, Hans Böckler. Arbeit und Leben eines Gewerkschafters von 1875-1945, Köln 1982; Christian Winther, »Hier war eine sammelnde Kraft …«. Betrachtungen zum Werk und Leben Hans Böcklers, in: Claus Hinrich Casdorff (Hg.), Demokraten, S. 44-66 sowie, zur Beurteilung durch Adenauer, dessen Erinnerungen (1945-1953, S. 31, 66, 250); vgl. auch Gabriele Müller-List, Die Entstehung der Montanmitbestimmung, in: Walter Forst (Hg.), Zwischen Ruhr-Kontrolle und Mitbestimmung, S. 121-142.