Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

15. Dezember 1946 (Rhöndorf)

An Robert Graham

, London

StBKAH 07.10, ohne Anschrift beim Adressaten, Übermittlung »Dch.: Colonel White, Köln«


Sehr geehrter Herr Dr. Graham1!

Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 23.11. d. Js. und die Übersendung der Rede, die Sie damals hier gehalten haben, sowie des Parlamentsberichts. Es scheint, daß die Demontagen einstweilen gestoppt sind. Ich halte aber die Gefahr noch nicht für beseitigt.

Ich werde mir erlauben, noch weiteres Material über die CDU zu übersenden. Wir beschäftigen uns z. Zt. sehr mit der Frage, was mit den Schlüsselindustrien geschehen soll. Die Pläne des Herrn Hynd, soweit sie andeutungsweise bekannt geworden sind, halten wir für ganz unmöglich. Wenn die Schlüsselindustrien wirklich der zentralen Instanz des neuen Deutschlands übertragen werden sollen, dann würde dieses neue Deutschland zentralistischer sein und eine größere Macht haben als selbst in den ersten Jahren des nationalsozialistischen Deutschlands2.

Ich werde mir erlauben, sobald wir auf diesem Gebiete zu einer inneren Klärung über alle wichtigen Fragen gekommen sind, Ihnen das Material zu übersenden.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Hilfe und bin

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Robert Graham, Leiter der Sendereihe ›German talks‹ der BBC, war bei einem Deutschland-Besuch im Herbst 1946 mit Adenauer zusammengetroffen. Seither – so sein Anschreiben vom 23.11.1946 – »habe ich alles getan, was in meiner Macht steht, um die Regierung, Parlamentsmitglieder beider Häuser und Zeitungsredakteure über die Dringlichkeit der Tatsachen, die Sie mir dargelegt hatten, zu informieren.« Gestützt auf Aussagen von Adenauer und Viktor Agartz (vgl. das Schreiben vom 12.6.1946), habe er Deutschland-Minister John Hynd auf die Sorgen deutscher Politiker aufmerksam gemacht.

  2. ^

    Zu John Burns Hynd vgl. Jochen Thies, Britische Militärverwaltung, vgl. auch Horst Lademacher, Die britische Sozialisierungspolitik, S. 64-68.