Rhöndorfer Ausgabe Online
An Ernst Budde
, Derschlag-AllenbachStBKAH 07.13, ohne Ortsangabe beim Datum, nach Diktatzeichen »A/S« im Zonensekretariat Köln ausgefertigt
Sehr geehrter Herr Budde!
Ihr Schreiben vom 4.2.471 habe ich erhalten. Sie wissen, daß ich Ihre Auffassungen durchaus billige und überall, wo ich nur Gelegenheit habe, auf die von Ihnen geschilderte Lage der Landwirtschaft hinweise. Ich bitte Sie aber auf der anderen Seite zu berücksichtigen, daß bis heute noch die gesamte Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft in den Händen der Militär-Regierung liegt2.
Nach neuerlichen Erklärungen besteht auch vorläufig noch nicht die Absicht, dieses Gebiet den Landesregierungen zur eigenen Verantwortung anzuvertrauen. Die CDU kann deshalb zurzeit immer nur wieder auf die Dinge, wie z. B. die unsinnige Viehabschlachtung, hinweisen3. Solange aber noch Ernährung und Landwirtschaft der Verantwortung der Länderregierungen entzogen sind, besteht in den Länderparlamenten keine Möglichkeit, durch entsprechende Beschlußfassung die Dinge zu ändern.
Es wird unsere Aufgabe sein, im zukünftigen Wahlkampf unsere Forderungen vorzutragen und die Landwirtschaft darüber aufzuklären, daß die Verantwortung ausschließlich bei der Militär-Regierung liegt.
Mit freundlichem Gruß
(Dr. Adenauer)
Hierin Angaben zu: Zwangsbewirtschaftung innerhalb der Landwirtschaft, ländlichem Schwarzhandel und verschärfter Viehabgabe (selbst »an bestem Milchvieh«) aufgrund erhöhter Fleischrationen.
Hierzu – aus diesem Zeitraum – ein Antrag der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion »betr. Aufhebung der Anordnung über das Abschlachten der Zuchtschweine und der Schweinebestände«; vgl. Stenographischer Bericht über die 5. Vollsitzung, S. 3.