Rhöndorfer Ausgabe Online
An Robert Graham
, LondonStBKAH 07.14, Original dieses Schreibens wegen unzureichender Adressierung über den Militärgouverneur von Köln, Colonel John White, und Oberbürgermeister Dr. Hermann Pünder zurück an Adenauer; nach hs. Vermerk Hohmann auf diesbezüglichem Schreiben Pünders an Adenauer vom 18.2.1947 erneute »Abschrift … am 24.11.47 angefertigt u. mit nach Köln gegeben«, von dort »dch. Col. White« nach London
Sehr geehrter Herr Graham!
Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Weihnachtswünsche, die jetzt in meinen Besitz kamen1. Es ist ein eigenes Gefühl für einen Deutschen, mit den Persönlichkeiten, die er während der nationalsozialistischen Zeit so oft verbotenerweise gehört hat, in persönliche Verbindung zu kommen. Ich darf mir erlauben, Ihnen zu sagen, daß dieses Kennenlernen mir keine Enttäuschung gebracht hat.
Dem Jahre 1947 sehe ich sehr sorgenvoll entgegen, und zwar nicht nur als Deutscher, sondern auch als Europäer und als ein Mann, der von der Bedeutung des Abendlandes für die gesamte Menschheit zutiefst durchdrungen ist. Ich fürchte, daß man den 1918 begangenen Fehler in um ein Vielfaches verstärkter Weise wiederholt. Dabei bin ich mir über die Schuld des größten Teles des deutschen Volkes völlig klar. Ich finde es weiter menschlich verständlich, daß diejenigen, die unter diesem Krieg so gelitten haben, ein für alle Male Schluß machen möchten mit Deutschland. Aber ich meine, es müssen sich doch auch in den alliierten Ländern Menschen finden, die an die kommenden Generationen und die kommenden Zeiten denken.
Wenn Sie wieder zum Rhein kommen, so geben Sie mir bitte rechtzeitig Nachricht. Ich würde mich freuen, Sie zu sehen.
Meine Familie und ich wünschen Ihnen und den Ihrigen von Herzen alles Gute für 1947.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Das Anschreiben Grahams ist in StBKAH nicht erhalten.