Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

16. Mai 1947 (Rhöndorf)

An Christopher E. Steel

StBKAH 07.03, ohne Ortsangabe beim Adressaten


Lieber Herr Steel1!

Herzlich dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir in nachfolgender persönlicher Angelegenheit helfen könnten:

Für meine Frau und mich habe ich Anfang April um Erteilung der Ausreisegenehmigung nach der Schweiz nachgesucht. Meine Frau ist infolge einer Haft, die sie 1944 im Gestapo-Gefängnis Brauweiler b. Köln erlitten hat, sehr schwer leidend. Der Arzt verlangt absolut einen Aufenthalt in großer Höhe in der südlichen Schweiz für sie. Ich möchte sie begleiten in erster Linie, um für sie sorgen zu können, dann auch zur Erholung für mich.

Wir würden gerne am 7. Juni reisen, da unsere Freunde in der Schweiz von diesem Tage an für uns in den Hotels vorgesorgt haben. Devisen brauchen wir nicht.

Unsere Anträge sind von Herrn Long, Düsseldorf, befürwortend weitergegeben. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie diese große Liebenswürdigkeit hätten, für Beschleunigung der Genehmigung zu sorgen, damit die Genehmigung rechtzeitig hier eintrifft.

Herzlichsten Dank im Voraus!

Ich hoffe, daß es Ihnen und Ihrem Schwiegervater gut geht. Ich denke, daß die Neuordnung mancher Verhältnisse, die jetzt wohl kommen wird, uns Gelegenheit zu einer Aussprache geben wird.

Mit freundlichen Grüßen, auch an Ihren Schwiegervater
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Zu den nachfolgend angesprochenen Vorbereitungen der Schweiz-Reise im Juni/Juli 1947 Anm. 3 im Schreiben an Dannie Heineman vom 11.4.1947 und das Schreiben an Franz Rudolf von Weiss vom 1.6.1947. Die von Adenauer erbetene Einreisegenehmigung wurde von der Militärregierung am 7.6.1947 erteilt.