Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

17. Juli 1947 (Rhöndorf)

An Ministerpräsident Karl Arnold

, Düsseldorf

StBKAH 08.63, mit ms. Vermerk »Persönlich!«


Sehr geehrter Herr Arnold1!

In der Fraktionssitzung am 11. Juni d. Js. in Benrath haben Sie gegen mich den Vorwurf erhoben, daß ich gegen Sie »geschossen« hätte. Wie Ihre Rede in der Fraktion zeigte, handelt es sich bei Ihnen nicht um eine nicht weiter überlegte Äußerung, sondern um einen sehr überlegten Vorwurf. Ich habe mich in der Fraktionssitzung darauf beschränkt, den Wortlaut des Briefes, den ich an den Vorsitzenden der Zentrumspartei gerichtet habe2, zu verlesen und Ihnen einen Durchschlag dieses Briefes zu übergeben. Ich wollte mit Rücksicht auf die ganze Situation keine längeren Ausführungen machen. Ich hatte geglaubt, bei meiner Rückkehr einen Brief von Ihnen vorzufinden, in dem Sie Ihren in solcher Schärfe gegen mich erhobenen Vorwurf zurücknehmen würden. Leider sehe ich mich in dieser meiner Erwartung getäuscht.

Ich füge noch hinzu, daß Sie selbst in der vorletzten Fraktionssitzung erklärten, die in dieser Sitzung getroffenen Entscheidung mache eine erfolgreiche Weiterführung Ihrer Bemühungen um die Bildung einer Regierung unmöglich. Gerade diese Ihre unterstrichene Erklärung war für mich Veranlassung zu dem Brief an Herrn Brockmann. Ich habe Sie von der Absendung dieses Briefes absichtlich nicht unterrichtet, um Ihre Energie bei der Lösung der Ihnen gestellten Aufgabe nicht zu beeinträchtigen. Ich habe aber mit Herrn Albers vor der Absendung des Briefes an Herrn Brockmann die Angelegenheit besprochen. Auch er erklärte die Absendung für durchaus richtig.

Ich bitte Sie, zu prüfen, ob Sie den gegen mich erhobenen Vorwurf weiter aufrecht erhalten3.

Mit ergebenem Gruße
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Arnold war einen Monat zuvor – am 17.6.1947 – zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten gewählt worden. Seiner Koalitionsregierung aus Vertretern von CDU, SPD, KPD und Zentrum gehörten für die Union weiterhin an: Heinrich Weitz (Finanzen), Heinrich Konen (Kultus), Heinrich Lübke (Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und Gustav Heinemann (Justiz).; Vgl. Anm. 1. des Schreibens an den Vorstand der CDU Remscheid vom 20.7.1947.
    Zum nachfolgenden – unter Verwendung dieses Briefes – Walter Först, Geschichte, S. 268 f. und Detlev Hüwel, Karl Arnold, S. 116. Hüwel (S. 117, unter Anlehnung an Klaus Dreher, Der Weg, S. 196) zur Nichtteilnahme Adenauers an der entscheidenden Landtagssitzung vom 17.6.1947: » ... befand sich in Frankfurt, wo er erfolgreich gegen die Bildung einer großen Koalition bei der Besetzung des Verwaltungsdirektoriums der Bizone intervenierte.« Anders lautet die Taschenkalender-Eintragung Gussie Adenauers für diesen Tag: »Einkäufe, Bern, Zunfthaus «.

  2. ^

    Vgl. das Schreiben an Johannes Brockmann vom 4.6.1947.

  3. ^

    Zur Antwort Arnolds vom 19.7.1947 (»…[konnten] mich Ihre Erklärungen…nicht voll überzeugen«) vgl. Walter Först, Geschichte., S. 269.