Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

18. Juli 1947 (Rhöndorf)

An Oberpräsident a.D. Dr. Robert Lehr, Düsseldorf

, Düsseldorf

StBKAH 07.15


Sehr geehrter Herr Oberpräsident!

Ich erhielt Ihren Brief vom 17. Juli1. Wie Sie wissen, bin ich bei dem letzten Stadium der Regierungsbildung nicht anwesend gewesen. Ich habe auch die Regierungserklärung2 nicht gekannt. Ich habe noch keine volle Klarheit darüber, woran es gelegen hat, daß die FDP nicht in das Kabinett hat eintreten wollen3. Bei meiner Abreise nahm ich nach den mir gewordenen Mitteilungen des Herrn Blücher an, daß er Finanzminister bleiben würde. Ob es richtig gewesen ist, in die Regierung ohne die FDP einzutreten, vermag ich noch nicht zusagen. Ich habe aber Zweifel. Auch habe ich gegen einige Sätze der Regierungserklärung schwere Bedenken. Ich teile auch die geäußerten Bedenken gegen Mitzeichnung der Betriebsräte bei den monatlichen Produktionsmeldungen4

Ich werde Ihren Brief und die Resolution, die ihm beilag, in der nächsten Fraktionssitzung zur Sprache bringen. Ich halte eine offene Aussprache für notwendig.

Mit verbindlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Mit diesem Schreiben übermittelt: Resolution einer Tagung »der evangelischen CDU-Vertreter aus Nordrhein« vom 16.7.1947: »…stellt…mit lebhaftem Bedauern fest, daß in Regierungs- und Fraktionskreisen der CDU die gefährliche Neigung zu bestehen scheint, den marxistischen Koalitionspartnern zuliebe die Grundsätze der Partei, insbesondere den klaren Boden des Ahlener Programms zu verlassen«; vgl. Detlev Hüwel, Karl Arnold, S. 117f.

  2. ^

    Teildruck der Regierungserklärung Karl Arnolds vom 17.6.1947 (›Der Weg in die Zukunft‹) in: Detlev Hüwel/Jürgen Rosorius (Hg.), Der Politiker Karl Arnold, S. 68-71.

  3. ^

    Vgl. Detlev Hüwel. Karl Arnold, S. 115.

  4. ^

    Einen hierzu vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium vorgelegten Verordnungsentwurf hatte Lehr als Eingriff in die Unternehmerverantwortung kritisiert; auch bestehe – angesichts des zunehmenden kommunistischen Einflusses auf die Gewerkschaften – »die erhebliche Besorgnis der Industriespionage«; vgl. das Schreiben an August Dresbach vom 19.8.1947.