Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

2. September 1947 (Rhöndorf)

An Dr. Heinrich von Brentano

, Darmstadt

StBKAH 08.59


Sehr geehrter Herr Brentano!

Ich bestätige den Empfang Ihres Briefes vom 23.8.471. Ich kann infolge einer Erkrankung nicht nach Berlin kommen. Ich hoffe, Sie aber bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft im September in Koblenz2 sprechen zu können.

Ich möchte mir alles weitere auf die mündliche Besprechung versparen und hier nur hervorheben, daß ich bei meinem Schreiben an Sie nicht die damaligen Koalitionsverhandlungen in Hessen im Auge hatte. Ich stimme Ihnen auch darin zu, daß die Beteiligung der KPD an der Koalitionsregierung in Nordrhein-Westfalen sehr unerwünscht ist.

Die von mir zum Ausdruck gebrachten Besorgnisse gründeten sich auf die Ausführungen des Wiesbadener Kreises, die dieser im Juni gemacht hatte und die ich dann bestätigt fand bei den Verhandlungen in Frankfurt (Main). Aber ich glaube, es ist richtig, mündlich über diese Dinge zu sprechen.

Es ist inzwischen gelungen, allerdings durch Opfer auf personellem Gebiet, zu erreichen, daß das Zentrum weder in Hessen noch in Baden-Württemberg Gründungen vornimmt3.

‹Vertraulich!›4

Mit aufrichtigsten Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Der in seiner Eigenschaft als CDU-Fraktionsvorsitzender im hessischen Landtag angeschriebene von Brentano empfahl mit seiner Antwort vom 23.8.1947, die aufgetretenen Missverständnisse und Schwierigkeiten in der CDU/CSU-Arbeitsgemeinschaft zu beheben; auch sollten die CDU-Landtagsfraktionen untereinander sowie deren Vorstände und die jeweiligen Kabinettsmitglieder neue Formen der Verständigung erproben.

  2. ^

    Tagung der CDU/CSU-Arbeitsgemeinschaft am 25./26.9.1947 in Koblenz (Rittersturz); vgl. Konrad Adenauer, Erinnerungen 1945-1953, S. 126 und Hans-Peter Schwarz, Vom Reich, S. 477.

  3. ^

    Vgl. das Schreiben an Carl Spiecker vom 19.10.1947.

  4. ^

    ‹ › hs. Von Adenauer eingefügt.