Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

22. Februar 1948 (Rhöndorf)

An Dr. Paul Silverberg

, Lugano

StBKAH 07.06


Lieber Herr Silverberg!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Geburtstagsglückwünsche1. Das Gedenken eines guten Freundes tut einem immer wohl. Ich habe Ihnen den in Aussicht gestellten langen Brief noch nicht schreiben können, weil ich nicht die nötige Ruhe dazu bis jetzt gehabt habe. Zu meiner immer stärker werdenden politischen Inanspruchnahme kommt die schwere Erkrankung meiner Frau hinzu. Sie liegt jetzt über 4 Monate im Johannes-Hospital in Bonn, und es ist noch nicht abzusehen, wie der Ausgang sein wird. Es waren mehrfach akute Krisen, und augenblicklich ist auch wieder eine solche eingetreten, so daß ich mich überhaupt nicht von Bonn bezw. Rhöndorf entfernen kann. Auf Veranlassung des Herrn von Weiss trifft heute Professor Rohr2 von der Universität Zürich hier ein. Rohr ist einer der bekanntesten europäischen Hämatologen. Unsere deutschen Ärzte sind ja auf diesem Gebiete, wie sie selbst angeben, weit zurück. Herr Rohr wird einige Tage hier bleiben. Er ist wahrhaftig einstweilen unsere letzte Hoffnung.

Sie können sich denken, wie sehr das alles auf mich drückt.

Seien Sie herzlihst gegrüßt von
Ihrem
(Adenauer)


  1. ^

    Schreiben vom 13.2.1948.

  2. ^

    Zur Einschaltung Rohrs in der letzten Krankheitsphase Gussie Adenauers vgl. Paul Weymar, Adenauer, S. 349.