Rhöndorfer Ausgabe Online
An Oberpräsident Dr. Wilhelm Boden
, KoblenzStBKAH 07.02
Sehr geehrter Herr Oberpräsident!
Vor längerer Zeit wandte ich mich an Sie wegen Nichtberücksichtigung der Nistermühle, Hachenburg, Besitzer: Jos. Roedig, bei der Erteilung von Mahlaufträgen1. Herr Roedig war immer ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Er hat sich als solcher offen bekannt. Dazu gehörte in Hachenburg, das fast völlig nationalsozialistisch war, ein großer Mut. Herr Roedig hat mich im September 1944 vierzehn Tage vor der Gestapo verborgen. Ich bin bei ihm später verhaftet worden. – Auf meinen Brief an Sie habe ich bisher eine Antwort nicht erhalten. Ich habe mich an Herrn Roedig gewandt und gefragt, ob er nunmehr Zuteilungen bekommen habe. Ich erhalte von ihm den beiliegenden Brief als Antwort2.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie der Angelegenheit, die wahrscheinlich irgendwo im Geschäftsgang stecken geblieben ist, Ihre persönliche Aufmerksamkeit widmen würden.
Für eine demnächstige Benachrichtigung wäre ich Ihnen dankbar.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Zu Josef Rödig und zur Nistermühle vgl. das Schreiben an Hilda Wagner vom 9.7.1945. Das frühere Schreiben Adenauers in dieser Angelegenheit ist in StBKAH nicht erhalten.
Rödig hatte sich am 16.10.1946 über Wettbewerbsnachteile beschwert, denen seine Mühle (»das Stiefkind des Kreis-Landwirtschaftsamtes«) gegenüber vergleichbaren Betrieben im Westerwald ausgesetzt sei. Eine (von Adenauer am 27.12.1946 angemahnte) Stellungnahme des im Dezember 1946 zum rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten gewählten Boden vom 4.1.1947 enthält die Zusicherung baldiger Unterstützung für Rödig.